https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/ursula-von-der-leyen-will-neue-bundeswehr-dienstposten-schaffen-14225168.html

Planung für Bundeswehr : „Es ist Zeit, wieder zu wachsen“

Wer will noch marschieren? Soldaten des Wachbataillons im Januar in Berlin. Bild: dpa

Die Bundeswehr steht nach einem Vierteljahrhundert vor einer Trendwende – zumindest auf dem Papier. Die Verteidigungsministerin will Tausende neue Dienstposten schaffen. Soldaten sind das noch nicht. Eine Analyse.

          2 Min.

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat am Dienstag eine Trendwende verkündet. Überraschend war das nicht mehr. Seit März waren ihre Pläne für 7.000 neue Soldatenstellen kolportiert worden.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Was sie im Bendlerblock in Berlin in einer Pressekonferenz sagte, waren die Bestätigung, der Überbau – und ein paar Details. Die Bundeswehr sei „in den vergangenen Monaten gefordert gewesen wie selten zuvor“, so von der Leyen – und verwies auf die üblichen Verdächtigen: Anti-Terroreinsätze, Seenotrettung im Mittelmeer, den Aufbau eines eigenen Cyberkommandos, die schnelle Nato-Eingreiftruppe. Man müsse wegkommen von einem „Prozess des permanenten Schrumpfens.“ Und „Es ist Zeit für die Bundeswehr, wieder zu wachsen.“ Von der Leyen kündigte an, 6.900 neue Stellen für Soldaten zu schaffen. Zudem 4.400 Stellen für Zivilisten.

          Was nach viel klingt, entpuppt sich bei nüchterner Betrachtung erst einmal als moderate Wachstums-Absicht: 185.000 Soldatenstellen umfasst die Bundeswehr heute. Das ist ein Drittel ihrer Größe zur Zeit der Wiedervereinigung. Am 3. Oktober 1990 dienten in der Bundeswehr noch 585.000 Soldaten.

          Die neuen Dienstposten sollen Voraussetzungen schaffen, um einige Lücken zu füllen: Etwa im neuen Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum, bei Spezialkräften des Heeres und der Marine oder im medizinischen Bereich. Als wirksames oder gar entschlossenes Signal Richtung Russland taugen sie indes nicht. 

          Durch sie steht kein einziger zusätzlicher intakter Panzer auf deutschen Kasernenhöfen. Mit ihnen wird es kaum einfacher, ein Bataillon für den vorläufigen schnellen Nato-Eingreifverband aufzustellen – im vergangenen Jahr ein höchst schwieriges Unterfangen. Auch den Pannen-Militärtransporter A400M bekommen sie nicht wieder fit.

          Hinzu kommt der Unterschied zwischen Dienstposten und Soldaten. Schon jetzt findet die Bundeswehr nicht mehr genügend junge Leute, um ihre Dienstposten auch zu besetzen. Momentan fehlen ihr 14.300 Soldaten. Darin sind die 7.000 neuen Soldatenstellen bereits eingerechnet.

          Für nur Wenige ist die Aussicht noch süß, dem Vaterland zu dienen – geschweige denn ihr Leben zu riskieren. Die Hoffnung, auch nach dem Wegfall der Wehrpflicht genügend Freiwillige zu finden, hat sich als Illusion erwiesen. Und ihre Wiedereinführung wird – zumindest bis jetzt – vor allem in Kreisen des Reservistenverbandes und von der rechtspopulistischen AfD gefordert.

          Mit den Löhnen im zivilen Sektor kann die Bundeswehr, gerade bei gesuchten Fachkräften wie IT-Experten oder Ärzten, nicht mithalten. Und nicht jeder Freiwillige, der als einfacher Infanterist in den Auslandseinsatz gehen möchte, ist psychisch oder physisch dafür geeignet.

          Berlin : Von der Leyen will Bundeswehr vergrößern

          Das Verteidigungsministerin rechnet damit, dass rund 7.000 Soldatenstellen und 4.400 zivile Stellen mehr besetzt werden können. Ob dem tatsächlich so sein wird, dürfte für die politische Bilanz von der Leyens allerdings nicht mehr relevant sein. Wirklichkeit werden soll die Planung bis 2023. Dass die ehrgeizige CDU-Politikerin dann noch Verteidigungsministerin ist, gilt als ausgeschlossen.

          Weitere Themen

          Handel erst nach Wandel

          Eine neue Weltordnung? : Handel erst nach Wandel

          Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat das Scheitern des Prinzips Wandel durch Handel offenbart. Demokratische Staaten müssen ihre Werte vor die Geschäfte mit autokratischen Regimen stellen. Ein Gastbeitrag.

          „Die mutigsten Frauen Europas“

          Karlspreis in Aachen : „Die mutigsten Frauen Europas“

          In Aachen wurden die drei Anführerinnen der belarussischen Opposition ausgezeichnet. Außenministerin Annalena Baerbock hielt die Laudatio – und ging auf Distanz zur früheren deutschen Politik gegenüber Diktator Lukaschenko.

          Topmeldungen

          Ihm muss der Wandel gelingen: Finanzminister Christian Lindner

          Finanzpolitik der Regierung : Lindners Zeitenwende

          Wenn der FDP-Chef im Jahr 2025 nicht blank dastehen will, muss Christian Lindner als Finanzminister einen Wandel schaffen. Ohne eine Umkehr in der Finanzpolitik wird die Belastung der Bürger und Unternehmen weiter zulegen.

          Peter Feldmann : Koalition prüft Abwahl des Oberbürgermeisters

          Das Frankfurter Stadtoberhaupt will partout nicht zurücktreten. Deshalb könnte es nun auf ein Abwahlverfahren hinauslaufen. Das allerdings ist teuer und von ungewissem Ausgang.

          Radikaler Klimaprotest : Kleb dich fest!

          Christian Bläul ist Teil der „Letzten Generation“ – er blockiert Straßen und Pipelines. Sie nennen das zivilen Ungehorsam. Viele sind davon genervt. Was will die Klimabewegung erreichen? Unterwegs mit einem Aktivisten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Sprachkurs
          Lernen Sie Englisch
          Kapitalanlage
          Pflegeimmobilien als Kapitalanlage
          Automarkt
          Top-Gebrauchtwagen mit Garantie