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Ursula von der Leyen : Eine steile Karriere

  • -Aktualisiert am
Ursula von der Leyen: „Die Zukunft fängt zu Hause an”
          6 Min.

          „Die Zukunft fängt zu Hause an“, sagte Ursula von der Leyen vor vier Jahren im Landtagswahlkampf in Hannover. Damals kannte sie - die heute zu den bekanntesten deutschen Politikern zählt - kaum jemand. Für „Röschen“, so ihr Kosename, drittältestes von sieben Kindern des ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht (CDU), hatte die politische Zukunft in der Tat zu Hause angefangen. Auf die Bundesfamilienministerin trifft wie auf keine zweite das Postulat der Apo (mit der sie sonst nichts am Hut hat) zu: Das Private ist politisch und das Politische privat.

          Auch die Sprache der Bilder ist Ursula von der Leyen von Kindesbeinen an vertraut: in ihrem Falle also die der Familienfotos aus einem hochpolitischen Haushalt. In guter protestantischer Tradition erlaubte der heute 76 Jahre alte Patriarch Ernst Albrecht den öffentlichen Einblick in ein skandalfreies, mustergültiges Familienleben: mit Hausmusik, Haustieren und einer glücklichen Ehe. Und klarer Rollenteilung.

          Idealbild der vollberufstätigen Mutter

          Auf vielen Fotos steht Heidi Adele Albrecht, die 2002 verstorbene Mutter Ursula von der Leyens, halb verdeckt von ihrem Mann im Hintergrund. Oft trägt sie sogar eine Schürze, obwohl jeder, der sie kannte, wusste, dass sie nicht selbst kochte. Eine Inszenierung. Heidi Adele hatte in Germanistik zum Dr. phil. promoviert, sie war Journalistin, als sie Ernst kennenlernte. Ihren Beruf gab sie auf, um die sieben Kinder großzuziehen. Ursula war das dritte Kind, die erste Tochter. Sie kam 1958 in Brüssel zur Welt, wo ihr Vater als promovierter Volkswirt für die im Werden begriffene Europäische Gemeinschaft arbeitete.

          Inszenierung einer mustergültigen Familie: Ernst Albrecht, Frau und Kinder
          Inszenierung einer mustergültigen Familie: Ernst Albrecht, Frau und Kinder : Bild: dpa

          Ganz in der Tradition ihres Vaters lässt Ursula von der Leyen sich mit der eigenen ebenfalls siebenköpfigen Kinderschar regelmäßig fotografieren. Den Standpunkt im Schatten nimmt nun ihr Mann ein, Heiko Echter von der Leyen, Medizinprofessor, Biotec-Unternehmer und Spross einer protestantischen Kaufmannsdynastie. Auch er versteht, wie früher Heidi Adele, sich im Hintergrund zu halten. Ursula von der Leyen wiederum hat die Schürze mit dem Arztkittel vertauscht.

          Der Zeitgeschmack verlangt heute nach einem anderen Idealbild: dem der vollberufstätigen Mutter. Dem entspricht Frau von der Leyen wie niemand sonst. Sie ist wie ein lebender Beweis für die rubbellose Vereinbarkeit von Beruf und Familie. An ihr kann man sehen, dass frau Kinder haben und Karriere machen kann. Sogar sieben Kinder und eine sehr steile Karriere. Diese Ministerin ist nicht nur ein Versprechen, sondern zugleich seine Erfüllung. Doch auch hier wird ein Image inszeniert.

          Geschicktes Weglassen

          Denn während Ursula von der Leyen auf der Höhe ihres Erfolges dem fünfzigsten Geburtstag entgegenstrebt, dauert ihre Karriere gerade mal fünf Jahre. Diese Karriere begann nämlich erst 2001, mit ihrem Einstieg in die Politik. Davor herrschte auch in ihrem Leben die Normalität einer beruflich hochqualifizierten Mutter. Eine Normalität, in der die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Entscheidungen mal schlecht, mal recht erwurschtelt wird. Entscheidungen, in denen zulasten der einen Seite (Beruf) geht, was zugunsten der anderen (Familie) wirkt. Oder umgekehrt.

          Denn das haben Entscheidungen nun einmal so an sich. Sonst wären sie keine. Die Vereinbarkeit, die sie herstellen, ist eine Vereinbarkeit durch Kompromisse. Man könnte sogar sagen: durch Opfer. Wenn das Wort noch auszuhalten wäre. Im Falle von der Leyens war diese Normalität der (Un-)Vereinbarkeit allerdings die einer besonders begabten und besonders ehrgeizigen Frau.

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