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Ursula von der Leyen : Eine steile Karriere

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Die öffentlichen Darstellungen und Selbstdarstellungen ihres Lebenslaufs, in Zeitungsartikeln oder auf der Website des Familienministeriums, suggerieren oder beschreiben indes ein ganz anderes Leben. Da erscheint von der Leyen nur als monochrome (damit im Grunde auch flache) Erfolgsfrau und ihr Erfolg als Gipfelsturm einer Bergwanderung. Und zwar durch Hinzufügen bei schreibenden Journalistinnen, die sich meist als glühende Anhängerinnen der Ministerin präsentieren, sowie durch geschicktes Weglassen seitens von der Leyens selbst.

Assistenzärztin der Abteilung Frauenheilkunde

Im heutigen Sprachgebrauch war Ursula Albrecht zunächst eine Langzeitstudentin. Wie ihr Vater schloss sie den ersten Studiengang ihrer Wahl nicht ab. Bei ihm waren das Philosophie und Theologie gewesen, bei ihr die Volkswirtschaft, auf die wiederum er sich nach sechs Semestern verlegt hatte. Ebenfalls nach sechs Semestern sattelte Ursula auf die Medizin um. Schon ihr Großvater war Arzt in Bremen gewesen. Zehn Jahre nach dem Beginn des Studiums hatte sie die Staatsexamen hinter sich gebracht und wurde zur Ärztin approbiert, 1987, ein Jahr nach ihrer Heirat mit Heiko von der Leyen. In diesem Jahr bekam sie auch ihr erstes Kind. Das zweite kam zwei Jahre später. Vier Jahre nach der Approbation, 1991, folgte die Promotion.

Bis zur Geburt ihres dritten Kindes 1992 arbeitete sie als Assistenzärztin der Abteilung Frauenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie wollte sich dort zur Fachärztin für Gynäkologie fortbilden - und war beileibe nicht die einzige junge Ärztin und Mutter, der das nicht gelang. Manchen Frauen schlägt das eine Wunde.

1992 brach Ursula von der Leyen die Facharzt-Ausbildung ab und ging mit ihrer Familie für vier Jahre nach Kalifornien, der beruflichen Bahn ihres Mannes folgend. Eine leicht nachvollziehbare Entscheidung - die sie allerdings die Möglichkeit kostete, als Frauenärztin zu praktizieren. Denn dazu ist der Facharzttitel nötig. Tatsächlich bedeutete der Umzug nach Amerika Ursula von der Leyens Abschied vom Arztberuf, den sie somit, ehrlich gesagt, in ihrem Leben kaum ausgeübt hat.

„Opfer frauenfeindlicher Arbeitsbedingungen“

In der medial vermittelten öffentlichen Selbstdarstellung der Ministerin war sie damals ein Opfer frauenfeindlicher Arbeitsbedingungen. So schrieb die Reporterin der „Süddeutschen Zeitung“, Evelyn Roll, in einem Porträt über die frischgebackene Bundesministerin: „Beim zweiten Kind war es schon einfacher. Als sie aber zum dritten Mal schwanger wurde, gleich nach ihrer Promotion 1991, da sagte der Professor: ,Ah, Frau von der Leyen, das dritte Kind. Sie sind wohl zu faul zum Arbeiten.'“

Auch in einem kürzlich in der „Welt“ erschienenen Porträt der Ministerin heißt es, man habe ihr gesagt: „Schwanger? Schade. Wir hatten noch so viel mit Ihnen vor.“ An der Klinik sei sie abgeschrieben gewesen, wird von der Leyen weiter zitiert, und man habe ihr bedeutet, dies sei „hier kein Feierabendverein“.

„Sie hätte es gar nicht akzeptiert, gemobbt zu werden“

Ihr damaliger Oberarzt, Professor Friedrich Degenhardt, mittlerweile Chefarzt der Frauenheilkunde am Franziskus-Hospital in Bielefeld, ist über diese Darstellung erstaunt. „Ich glaube nicht, dass jemand das zu ihr gesagt hat“, so Degenhardt. „Wir haben sie sehr gut betreut, und die Stationsbesprechungen waren in Hannover schon damals um halb vier, gerade damit die Assistenzärzte nach Hause gehen konnten. Sie hat die Medizin aus privaten Gründen abgebrochen.“

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 Unsere Autorin: Anna-Lena Ripperger

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