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Ursula von der Leyen : Die Eigenwillige

Ursula von der Leyen Bild: dpa

Die Kombination aus Verteidigung und Ursula von der Leyen enthält sowohl Gegensätze, als auch Übereinstimmungen. Verschiedene Schritte auf der Karriereleiter prägen den Weg der CDU-Politikerin ins Verteidigungsministerium.

          2 Min.

          Die Neubesetzung eines Ministeriums mit einer Frau genügte der Bundeskanzlerin, um die drei neuen Ministerinnen in den Schatten zu stellen, die ihr sozialdemokratischer Koalitionspartner aufgeboten hat. Die Kombination aus Verteidigung und Ursula von der Leyen ergibt einige reizvolle Gegensatz-Effekte, doch bestehen auch plausible Übereinstimmungen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Erste betrifft geographische Gemeinsamkeiten: Von der Leyen wurde in Brüssel – wo die Nato ihren Sitz hat – geboren (ihr Vater Ernst Albrecht war dort von 1958 an einige Jahre Kabinettschef in der damaligen EWG-Kommission), begann ihre politische Karriere aber in Niedersachsen. Es ist das Bundesland, in dem die Bundeswehr ihre größten Standorte betreibt, in Wilhelmshaven und in der Heide nördlich von Hannover, wo das Heer seine Panzerausbildung beheimatet hat.

          Kampf gegen den Lokalmatador

          Darüber hinaus findet sich in von der Leyens Werdegang auch eine Erfahrung, die zur Laufbahn der meisten Bundeswehroffiziere gehört – die transatlantische Bildung. Zwar ist sie nicht in Dienststellen der Nato abkommandiert gewesen, hat weder Schiffsmanöver vor der amerikanischen Ostküste befehligt noch eine Kampfjet-Ausbildung über der texanischen Wüste absolviert, aber sie verfügt doch über vier Jahre eigener amerikanischer Erfahrung. Es war die Zeit, in der ihr Mann Heiko im kalifornischen Stanford beschäftigt war. Von der Leyen nahm während dieser Zeit zwischen 1992 und 1996 ihre wirtschaftswissenschaftlichen Studien wieder auf (sie hatte vor dem Medizinstudium in Hannover drei Jahre lang Volkswirtschaftslehre in Göttingen, Münster und London studiert) und verband sie mit ihrem medizinischen Wissen in einer Tätigkeit bei der Stanforder Gesundheitsverwaltung.

          Ihr politisches Thema wurden später aber nicht Medizin und Gesundheit, sondern Familie und Soziales: Sie hatte es als Tochter des einstigen niedersächsischen Ministerpräsidenten zwar leicht, in der Partei und der Öffentlichkeit Beachtung zu finden. Aber der erste größere Schritt auf der politischen Karriereleiter – die Bewerbung um ein Landtagsmandat – verlangte dennoch Mut und Siegesgewissheit: Sie trat 2002 gegen einen Lokalmatador an, den CDU-Abgeordneten Lutz von der Heide, der damals schon zwölf Jahre lang für den Wahlkreis Burgdorf im Hannoverschen Landtag saß. Von der Leyen machte ihm das Mandat abspenstig. Danach ging es steil nach oben. Schon im Jahr darauf wurde sie von Ministerpräsident Christian Wulff zur Sozialministerin berufen. Zwei Jahre später wechselte sie an den Berliner Kabinettstisch der ersten großen Koalition, die Bundeskanzlerin Merkel geführt wurde. Auch dort zeigte sie, dass sie gewillt ist, ihre Anliegen auch auf Kosten von Parteifreunden und Parteidisziplin voranzutreiben.

          Von der Leyen hat (wie ihre damalige Förderin Merkel) als Quereinsteigerin in die Politik gefunden, sie verfügt nicht über eine Hausmacht in der CDU. Diese Gemeinsamkeit eint die beiden wichtigsten Politikerinnen der Partei, deren Erfahrungen sonst in vielem grundverschieden sind: Die eine (über den Vater) seit der Kindheit mit Partei und Politik verbunden, die andere durch die deutsche Teilung lange davon ferngehalten; die eine mit sieben Kindern, die andere ohne eigenen Nachwuchs. Beide sind jetzt die möglichen Oberbefehlshaber der deutschen Streitkräfte – Merkel im Verteidigungsfall, von der Leyen im Frieden.

          Trotz Afghanistan und anderen gefährlichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr begreift die Ministerin offenkundig den Frieden als ihren Normalfall. Die ersten Äußerungen, die sie über die neue Aufgabe tat, galten sozialen Sorgen und Verhältnissen der Soldaten und ihrer Familien. Die Ministerin geht von gesichertem Terrain aus vor – aber sie wird auch Überraschungen meistern wollen.

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