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Ursula von der Leyen : Die Drohne bleibt in der Luft

  • -Aktualisiert am

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Militärisch völlig unerfahren muss sich die CDU-Politikerin neuen Herausforderungen beim Arbeitgeber Bundeswehr stellen Bild: dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird sich nicht nur um den dringend benötigten Nachwuchs für die Bundeswehr kümmern können. Auch etliche Rüstungsprojekte stehen auf ihrer Agenda.

          In einem Fall von Personalrekrutierung hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen schon einen spektakulären Erfolg erzielt. Auf ihrer vorweihnachtlichen Blitzvisite in Afghanistan fünf Tage nach dem Amtsantritt wurde sie von mehr als 40 Journalisten begleitet. Ihr Vorvorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg kam bei seiner ersten Reise als Wirtschaftsminister nach New York „nur“ auf 38 Medienvertreter. Vielleicht zieht die neue und erste Frau im Amt ja nicht nur Kameras und Mikrofone an, sondern auch den Nachwuchs, den die Bundeswehr so dringend braucht, seit sie von der Berufs- zur Freiwilligenarmee geworden ist. Sowohl im Ministerium als auch in der Truppe hoffen das viele.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Ganz gleich, ob von der Leyen einen Magneteffekt hat oder nicht: Es ist die große Aufgabe der kommenden Jahre, die Bundeswehr so attraktiv zu machen, dass sie die festgelegte Stärke von 185.000 Soldaten und 55.000 zivilen Mitarbeitern langfristig halten kann. Trotz der Verkleinerung der Armee auf diesen Umfang wird das nicht leicht. Berufsentscheidungen fallen meist in jungen Jahren, und die nachwachsenden Generationen schrumpfen, wie es im Verteidigungsministerium heißt.

          Im Flur der Kaserne: Antreten zum ersten Diensttag

          Seit die Wehrpflicht nicht mehr automatisch junge Menschen zumindest zeitweilig an den Soldatenberuf heranführt, hat die Bundeswehr schon enorme Anstrengungen unternommen. Die Aufgaben der 52 Kreiswehrersatzämter, in denen sich junge Männer bis vor wenigen Jahren auf ihre Wehrtauglichkeit hin untersuchen lassen mussten, haben 16 sogenannte Karrierecenter übernommen. Über das ganze Land verteilt versuchen militärische und zivile Berater, junge Menschen in die Armee zu bekommen.

          Die Bundeswehr soll ein attraktiver Arbeitgeber sein

          Noch ist die Lage einigermaßen stabil. Oberst Andreas Durst, der im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr als Unterabteilungsleiter für das Gewinnen von Personal zuständig ist, zeigte sich noch kurz vor dem Amtsantritt der Ministerin leidlich zufrieden. Sowohl 2013 als auch in den Jahren davor sei es gelungen, „die durch die Bedarfsträger formulierten Zielvorgaben weitgehend zu erreichen“, schrieb er in einem Beitrag für das Blatt „Die Bundeswehr“. Aber eben nur weitgehend. Konnte bei den Offizieren der Bedarf noch voll gedeckt werden, so wurden bei Unteroffizieren und Mannschaften rund 90 Prozent erreicht. Und zumindest zum Beginn des vorigen Jahres klopften weniger Bewerber für eine Stelle als freiwillig Wehrdienst Leistender bei der Truppe an als erwartet. Im Laufe des Jahres hat sich die Situation verbessert. Durst fordert, „noch stärker leistungsstarke und motivierte Talente für die Bundeswehr zu interessieren und langfristig zu binden“. Das klingt nicht danach, als sei der Job schon getan.

          Besonders schwierig ist es, qualifiziertes Personal für Aufgaben zu gewinnen, die mit Informationstechnik zu tun haben. Eine seit Jahren boomende Wirtschaft, die nicht nur, aber eben auch Computer-Fans oft gutbezahlte Stellen anbieten kann, ohne dass die dafür den Alltag in weit entfernten Kasernen oder gar in Feldlagern in Afghanistan in Kauf nehmen müssen, ist eine harte Konkurrenz für die Bundeswehr.

          Ursula von der Leyen übernahm ihr Amt zu einem Zeitpunkt, da ihr Vorgänger Thomas de Maizière die Strukturreform der Bundeswehr schon weit vorangetrieben hatte. Die Herausforderung, einen attraktiven Arbeitgeber zu schaffen, beschäftigte ihn schon ständig. De Maizière handelte für die Unionsseite die Passage des Koalitionsvertrages zur Bundeswehr aus – vermutlich in der Annahme, sich sein eigenes Regierungsprogramm zu schreiben. Das Kapitel beginnt nicht etwa mit den Auslandseinsätzen, sondern mit dem Thema Familienfreundlichkeit. Die Koalitionäre kündigen unter anderem an, sie wollten für eine bessere Betreuung von Soldatenkindern sorgen und das Pendeln zwischen Kasernen und Wohnsitz möglichst vermeiden. Angesichts der immer kleineren Zahl der Standorte im Zuge der Reform wird das nicht so leicht.

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