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Ursachenforschung : Dioxin im Futterfett

Fleisch, Milch, Eier: Es ist schwer, die Ware zu finden, in der Dioxin stecken könnte Bild: dapd

Der Lebensmittelskandal hat mit Verzögerung begonnen und sich dann wie eine Lawine ausgebreitet. Jetzt sind schon 4700 Betriebe betroffen. In welcher Ware das Dioxin steckt und woher es ursprünglich kommt, ist noch immer unklar.

          Selbst ein Skandal muss Rücksicht nehmen. Auf die Weihnachtsfeiertage etwa. Am 23. Dezember hatte die Firma Harles und Jentzsch aus Uetersen dem Landeslabor Schleswig-Holstein in Neumünster telefonisch mitgeteilt, dass der Dioxingehalt in ihren Produkten erhöht sei. Das hatten eigene Untersuchungen ergeben. Die Firma wurde 1980 gegründet und stellt neben technischen Fettsäuren für die Industrie auch Futterfette für Schweine, Rinder und Geflügel her. Sie verkauft sie unter dem Slogan „Power to the Bauer“. Die Behörden in der Landeshauptstadt Kiel wurden aber erst nach Weihnachten aktiv, wollten von Harles und Jentzsch noch ein paar Informationen und gaben schließlich eine Warnung an die anderen Bundesländer heraus.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das Verfahren in solchen Fällen ist klar geregelt. Am 27. Dezember und noch einmal am 29. Dezember wurden bei Harles und Jentzsch insgesamt 112 Proben gezogen, und zwar aus Chargen vom November und Dezember. Inzwischen liegen die ersten Ergebnisse vor: Bei einigen Proben lag der Wert bei 58,17 Nanogramm, also extrem hoch. Schon bei 0,5 Nanogramm Dioxin, also einem halben Milliardstel Gramm, auf ein Kilogramm Futter oder Fleisch treten die Behörden in Aktion – und nennen es deshalb den Aktionswert. Der Grenzwert liegt bei 0,75 Nanogramm.

          In Uetersen wird jede Charge dokumentiert

          Woher das Dioxin kommt, ist noch immer unklar. Beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heißt es: „Technische Mischfettsäuren, welche nicht für die Verwendung von Futtermitteln, sondern für den Einsatz zur Papierherstellung bestimmt waren, sind nach derzeitigem Kenntnisstand die Ursache der Kontamination.“ Am Montag waren zunächst nur die Beteiligten in diesem neuen deutschen Lebensmitteldrama bekannt. Harles und Jentzsch hatte 25.000 Kilogramm sogenannter Mischfettsäuren – einem Abfallprodukt aus der Biodieselherstellung – bei einem holländischen Händler bestellt. Dieser bezog die Mischfettsäuren aus einer Biodieselanlage im niedersächsischen Emden. Die Lieferung ging dann aber nicht nach Uetersen, sondern nach Bösel bei Cloppenburg in Niedersachsen. Dort befindet sich die Firma Lübbe. Sie verfügt über eine Futterfett-Rührstation. Und sie arbeitet für Harles und Jentzsch.

          Langfristige Gefahr: Dioxin reichert sich im Körper an und wird nur schwer abgebaut

          Die Firma in Emden musste sich gegen Vorwürfe aus Uetersen wehren, dass bei ihr das Dioxin in das Fett gelangt sein könnte. Inzwischen hat die Gewerbeaufsicht mitgeteilt, dass in Emden nichts auf eine Belastung durch Dioxin hinweist. Manches deutet darauf hin, dass das Dioxin in Bösel ins Futterfett kam. Ein Sprecher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte sogar, da gebe es „kriminelle Energie“.

          Das bezieht sich unter anderem darauf, dass das Verhältnis zwischen den Firmen in Uetersen und Bösel nicht ganz klar ist. Die Futterfett-Rührstation, die für Harles und Jentzsch arbeitet, ist nicht registriert, das Unternehmen in Bösel lediglich als Spedition Lübbe bekannt. Proben der in Bösel hergestellten Futterfette gingen an die Zentrale in Uetersen. Auch das entsprach dem üblichen Verfahren. In Uetersen wird jede Charge dokumentiert. Und dort wurden auch die belasteten Proben gefunden und den Behörden gemeldet.

          Die Gefahr für Mensch und Tier ist eine langfristige

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