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Unzufriedene Soldaten : Wehrdienstleistende brechen häufig ab

Vor dem Reichstag: Rekruten der Bundeswehr beim feierlichen Gelöbnis Bild: dpa

Einer von vier freiwillig Wehrdienstleistenden quittiert vorzeitig den Dienst. Die Gründe präsentiert das Verteidigungsministerium in einer Studie.

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          Das Ergebnis ist nicht berauschend, könnte aber schlechter sein. Knapp zwei Jahre nach der Aussetzung der Wehrplicht hat sich das Verteidigungsministerium zufrieden mit der Einführung des neuen Wehrdienstes gezeigt. Die freiwillig Wehrdienstleistenden verfügten über ein gutes Bildungsniveau und seien überwiegend hoch motiviert und leistungsbereit, sagte der zuständige Abteilungsleiter, Generalleutnant Norbert Finster, am Donnerstagabend in Berlin. Unzufrieden äußerte sich Finster jedoch über die für 2012 ermittelte Abbruchquote. Laut den Zahlen des Verteidigungsministeriums verlässt jeder Vierte der freiwillig Wehrdienstleistenden vorzeitig die Streitkräfte.

          Abschlussübung: Freiwillig Wehrdienstleistende bei Ulm

          Die Gründe für den vorzeitigen Abschied schlüsselt das Ministerium in einer Studie erstmals auf. Aus der Zusammenfassung, die FAZ.NET vorliegt, führen zivile Alternativen beziehungsweise fehlende Karrieremöglichkeiten innerhalb der Streitkräfte mit 58 Prozent die Liste der Beweggründe an. 54 Prozent der Abbrecher gaben an, mit der militärischen Verwendung unzufrieden gewesen zu sein. Als weitere Gründe werden unter anderem private Gründe (36 Prozent), abweichende Vorstellungen über das Soldatenleben (35 Prozent) und die Distanz zwischen Dienst- und Wohnort (24 Prozent) angeführt.  Grundlage der Ergebnisse sind die Antworten von 982 Abbrechern.

          Eine genauere Aufschlüsselung der Ergebnisse dahingehend, woran die ehemaligen Soldaten die fehlenden Karrieremöglichkeiten ihre berufliche Unzufriedenheit festmachen, wurde nicht vorgenommen.

          Frust hält sich in Grenzen

          Die Bundeswehr will angesichts der Ergebnisse der Studie ihren freiwilligen Wehrdienst attraktiver machen. Bislang sind die freiwillig Wehrdienstleistenden, die letztlich nichts anderes als kurz dienende Zeitsoldaten sind, gegenüber den regulären Zeit- und Berufssoldaten mit einer Verpflichtungszeit ab 24 Monaten benachteiligt – bei gleichen Pflichten und Risiken. Nach wie vor existieren zwischen vergleichbaren Dienstgraden beider Gruppen Gehaltsunterschiede in Höhe von bis zu mehreren hundert Euro pro Monat. Für die bis zu 12.500 Wehrdienstleistenden existiert ein komplett autonomes Besoldungssystem.

          Frustriert scheint das Gros der Abbrecher aber immerhin nicht zu sein. Zwei von drei Ehemaligen gaben an, trotz des eigenen, vorzeitigen Ausscheidens den Dienst ihren Freunden weiterempfehlen zu wollen. Seit der Aussetzung am 01. Juli 2011 haben sich rund 20.000 freiwillige Wehrdienstleistende bei der Bundeswehr verpflichtet. Im Umfang der Streitkräfte sind zwischen 5.000 und 15.000 Stellen für freiwillig Wehrdienstleistende vorgesehen.

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