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Unternehmer im Osten : Die Treuhand und ich

  • -Aktualisiert am

Kräne für die Welt: Mitarbeiter des Kirow-Werks in der Montagehalle in Leipzig Bild: Robert Gommlich

Der Unternehmer Ludwig Koehne heuerte als junger Mann bei der Treuhand an. Gut ein Jahr lang wickelte er DDR-Betriebe ab, bis er selbst einen in Leipzig übernahm – und zum Weltmarktführer ausbaute.

          8 Min.

          Ludwig Koehne eilt über den Hof, hinein in einen Backsteinbau, geradeaus, Treppe hoch, hinüber zum Fenster. „Kommen Sie, das müssen Sie sehen!“ Dann steht er mit strahlenden Augen vor einem raumfüllenden Werk des Münchner Malers Rupprecht Geiger, ein leuchtend roter Kreis und ein ebensolches Dreieck. „Und jetzt schauen Sie mal nach links“, fordert er den Besucher auf. Gegenüber, auf der anderen Seite des Hofs, erhebt sich, nein, schwebt quasi eine Beton-Kugel auf der Giebelecke einer Industriehalle. Der Plan für die noch im Bau befindliche „Sphere“ stammt von Oscar Niemeyer, den Koehne kurz vor dessen Tod noch persönlich in Rio de Janeiro besucht hat. Niemeyer und Geiger waren ein Jahrgang, haben sich jedoch nie getroffen. Jetzt bringt Ludwig Koehne beide hier zusammen. „Der Blick von hier, beide nebeneinander, das ist doch nicht zu toppen“, ruft er freudig.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Kunst und Architektur sind Koehnes Ausgleich. Er ist jetzt 53 Jahre alt, ein schlaksiger Typ, Basecap, weißes Hemd, Jeans und Turnschuhe. Er malocht hier seit 25 Jahren, inzwischen auch in künstlerischer Absicht. Und das alles auf seinem Betriebsgelände im Leipziger Südwesten, dem Stammsitz des Schwermaschinenbauers Kirow. Dass Koehne, der aus der Familie eines Oberhausener Gleisbauunternehmers stammt und in Oxford Philosophie, Politik und Psychologie studiert hat, mal im Osten der Republik landen würde, war nicht vorgesehen, hat sich dann aber so ergeben. 27 Jahre war er, als er Anfang der neunziger Jahre vor 180 verbliebenen Mitarbeitern des Leipziger Unternehmens stand. Misstrauisch hätten sie ihn beäugt, den jungen West-Schnösel, der ihre Zukunft bedeuten sollte; ihm wiederum sei kurz bange geworden, ob das nicht alles eine Nummer zu groß sei. „Heute würde ich mich so was nie wieder trauen“, sagt er. „Wenn Sie erst mal 40 sind, wissen Sie einfach zu viel.“

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