https://www.faz.net/-gpf-7acsd

Unter Plagiatsverdacht : Die Prüfung

Eumann werde zu Unrecht in eine Reihe mit Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan gerückt. Die von Journalisten erfundene Wortschöpfung „Selbstplagiat“ sei absurd. „Wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen zeichnen sich in hohem Maße durch Kontinuitäten im Denken, Texten und Veröffentlichen aus. Sich selber zu ‚plagiiern‘ ist also alltäglich und normal.“ Wer meine, Eumann habe seine Magisterarbeit als Dissertation eingereicht, irre gewaltig.

Auf Anfrage der F.A.S. teilt der frühere Journalistikprofessor mit, dass er sich die Magisterarbeit im Promotionsverfahren nicht von Eumann zeigen ließ und sie auch nicht zum Vergleich heranzog, als er sein Zweitgutachten für die Dissertation schrieb - und das, obwohl ihm nach eigenem Bekunden bekannt war, dass Eumann schon in seiner Magisterarbeit über sein Promotionsthema geforscht hatte. Fühlt sich Pätzold von Eumann getäuscht? „Nein“, antwortet er. Eumann hatte es nicht nur dank Pätzold leicht. Sein Doktorvater Pöttker gibt zu, dass es aus heutiger Sicht blauäugig gewesen sei, sich die Magisterarbeit nicht vorlegen zu lassen.

Da habe er zu viel Vertrauen in die Verbindlichkeit der Promotionsordnung gehabt. „Das Ganze ist allerdings ja auch noch passiert, bevor der Fall Guttenberg die Sensibilität für Promotionen von Politikern geschärft hat“, sagt der mittlerweile ebenfalls emeritierte Pöttker. Auch scheint niemand an der Universität die Unterlagen kritisch geprüft zu haben, die Eumann einreichen musste, um zur Promotion zugelassen zu werden: Auf einem Magisterzeugnis ist gewöhnlich auch der Titel der Magisterarbeit verzeichnet.  Für die Buchversion seiner Dissertation fertigte Eumann im November 2011 eine „Vorbemerkung“ an, die sich wie der Versuch liest, sich gegen späteres Ungemach abzusichern.

Als Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung habe er 1990/91 die Chance gehabt, sich mit dem Nachlass von Fritz Sänger und dessen Arbeit für den Deutschen Presse-Dienst zu befassen. Auch habe er damals mit vielen Zeitzeugen gesprochen. Seine Erkenntnisse seien aber nur zu einem Teil in seine Magisterarbeit eingeflossen.  „Glücklicherweise habe ich die damals gewonnenen Informationen aufbewahrt, um sie schließlich - über 15 Jahre später - verwenden zu können. Das zeigt zugleich, dass mich der dpd über die Jahre nicht losgelassen hat.“ Nicht lassen will Eumann auch von der Idee einer aus Rundfunkgebühren finanzierten Journalismus-Stiftung.

„Es ist allemal besser, ein solches innovatives Projekt zu starten, als schlicht und einfach dabei zuzusehen, wie uns die journalistische Vielfalt wegschmilzt“, bekräftigte Ministerpräsidentin Kraft Anfang Juni auf dem Medienforum 2013. Wo die angeblich staatsferne Stiftung angesiedelt wird, steht noch nicht fest. Für die Stiftungsprofessur für Lokaljournalismus kommt eigentlich nur die TU Dortmund in Frage. Sie ist die einzige Hochschule in NRW, die im Rahmen ihres Journalismus-Studiengangs ein Volontariat vorschreibt. Ihr Institut für Journalistik gilt in Fachkreisen als gute Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis.

Weitere Themen

Die Republik marschiert nicht mehr

Proteste in Frankreich : Die Republik marschiert nicht mehr

Im Streit um die Rente haben Demonstranten Frankreich praktisch lahmgelegt. Nicht überall bleibt der Protest friedlich. Es ist ein Kampf gegen nebulöse Absichten der Regierung.

Topmeldungen

Die Kommunalwahlen in NRW sind für die SPD von existentieller Bedeutung: Die Partei kann sich nur stabilisieren, wenn ihnen ihre kommunale Basis nicht wegbricht.

Verschuldete Kommunen : Werden die Altschulden zur tickenden Zeitbombe?

Die Lösung des Altschulden-Problems hat sich die große Koalition fest vorgenommen. Gerade die von der SPD regierten Großstädte im Ruhrgebiet würden von Bundeshilfe profitieren – bisher verhält sich Nordrhein-Westfalen jedoch merkwürdig passiv.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.