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Unter Plagiatsverdacht : Die Prüfung

In der im Fall Eumann gültigen Promotionsordnung heißt es, dass Doktoranden beim Einreichen ihrer Arbeit angeben müssen, „ob die vorgelegte Dissertation ganz oder in einer anderen Fassung oder in Teilen einer Hochschule im Zusammenhang mit einer staatlichen oder akademischen Prüfung vorliegt oder vorgelegen hat“.Auf Anfrage der F.A.S., ob er seine Magisterarbeit angegeben hat, will sich Eumann gegenwärtig nicht äußern. Eumanns Doktorvater Pöttker erinnert sich, wie er Eumann Anfang 2010 das erste Mal in seinem Dortmunder Büro empfing. Eumann, damals noch Oppositionsabgeordneter, legte ein fertiges Manuskript auf den Tisch.

Menschlich enttäuscht

Pöttker fand die Sache interessant, weil es zum Deutschen Presse-Dienst noch keine Buchveröffentlichung gab. Inzwischen kennt er die Magisterarbeit. Über das Ergebnis seines Vergleichs will der Wissenschaftler aber nicht reden. „Die Bewertung obliegt allein der Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“, sagt Pöttker. Nach einer Weile fügt er an: „Nachdem ich die Magisterarbeit gelesen habe, fühle ich mich von Herrn Eumann menschlich enttäuscht.“ Auch getäuscht? Pöttker schweigt lange.

Dann sagt er, ihm sei nicht bekannt gewesen, dass Eumann seinen Magisterabschluss mit einer Arbeit zum Deutschen Presse-Dienst erworben habe. „Nach allen Informationen, die mir vorlagen, musste ich davon ausgehen, dass die Magisterarbeit von Herrn Eumann eine wesentlich andere Fragestellung und ein anderes Thema als seine Dissertation hatte.“ Auffallend ist, dass Eumann den Titel der Magisterarbeit in seiner Dissertation konsequent unerwähnt ließ. In einer Fußnote legte er dafür eine andere Fährte: Er habe sich Anfang der 1990er Jahre „insbesondere mit der Arbeit des Journalisten und Politikers Fritz Sänger“ befasst.

Eine merkwürdige Rolle im Fall Eumann spielt Zweitgutachter Ulrich Pätzold. Er hatte seinem Kollegen Pöttker den Medienpolitiker Eumann als Doktoranden vorgeschlagen. Pätzold war von 1978 an als ordentlicher Professor maßgeblich am Aufbau des Modellstudiengangs Journalistik in Dortmund beteiligt gewesen. „Das war ein riesiger Karrieresprung, und ich hatte ihn dem damaligen nordrhein-westfälischen Wissenschaftsminister Johannes Rau zu verdanken“, teilt Pätzold auf seiner Internetseite mit, der er den programmatischen Namen „8und60“ gegeben hat.

„Selbstplagiat“ sei absurd

30 Jahre lang seien Dortmund und Nordrhein-Westfalen seine geistige, wissenschaftliche und politische Heimat gewesen, schreibt Pätzold, der heute in Berlin lebt. „Mein Freundes- und Bekanntenkreis war sehr groß, oft eng verbunden mit den Netzwerken in der Politik, in den Medien und in den wissenschaftlichen Einrichtungen.“ Eumann erinnert sich, er habe Pätzold über seine Arbeit als Landtagsabgeordneter „um das Jahr 2000“ kennengelernt. Als die Vorwürfe gegen Eumann bekannt wurden, versuchte der emeritierte Journalistikprofessor seinen Duzfreund mit einer emotionalen Pressemitteilung unter dem Titel „Diesmal verrennt sich die Meute“ in Schutz zu nehmen.

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