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Unter Plagiatsverdacht : Die Prüfung

Keine methodische Erweiterung

„Aufbau und Text dieser Dortmunder Dissertation sind in großen Teilen identisch mit der Arbeit gleichen Titels, mit der der Autor 1991 an der Universität Köln sein Magisterexamen erwarb.“ Freilich suche man den Titel dieser Magisterarbeit im Literaturverzeichnis oder andernorts in der vorliegenden Veröffentlichung vergebens. Eine konzeptionelle oder methodische Erweiterung lasse sich nicht erkennen, „auch keine wirklich inhaltlich-substantielle“, schrieb Rezensent Arnulf Kutsch. Am Tag darauf kontaktierte Pöttker die „Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“ der TU Dortmund.

Er bat, ein Prüfverfahren wegen illegitimen Erwerbs der Doktorwürde gegen Eumann einzuleiten. Anders als bei vielen anderen Politiker-Dissertationen war es kein anonymes Internetforum, das Eumann auf die Schliche kam. Arnulf Kutsch ist noch ganz im Papierzeitalter zu Hause. Seit den achtziger Jahren führt der Leipziger Wissenschaftler für seine Forschungszwecke eine Bibliographie zu dem Thema „Medienpolitik der Alliierten“, in die er auch unveröffentlichte Manuskripte aufnimmt. Sich die Magisterarbeit zu besorgen, die Eumann 1991 beim Kölner Historiker Eberhard Kolb geschrieben hatte, war aber selbst für den kundigen Kutsch keine leichte Sache.

An der Universität zu Köln müssen Magisterarbeiten maximal zehn Jahre aufbewahrt werden. Im Bundesarchiv wurde Kutsch schließlich fündig, Eumann hatte dort ein Belegexemplar abgegeben. Eumann ist stets freundlich im Ton. Beherrscht, selbst bei unangenehmen Fragen. Der F.A.S. teilt er mit, er habe schon Anfang der neunziger Jahre die Absicht gehabt, „unter Berücksichtigung der Ergebnisse meiner Magisterarbeit“ eine Dissertation über die Geschichte des Deutschen Presse-Dienstes (dpd) zu schreiben. „Dazu ist es - wie das gelegentlich bei wissenschaftlichen Projekten geschieht - zunächst nicht gekommen.

Neuauflage der Magisterarbeit

Nach 2005 habe ich mich dann wieder intensiv mit dem dpd beschäftigt.“ Zu den von Kutsch erhobenen Vorwürfen äußerte Eumann schon im Januar, er habe keinen Zweifel, dass seine Doktorarbeit unter vielerlei Gesichtspunkten eine „inhaltlich-substantielle Erweiterung“ seiner Magisterarbeit sei. Ein Vergleich der Arbeiten, die der F.A.S. vorliegen, zeigt: Eumanns Doktorarbeit ist nicht viel mehr als eine - gewissenhaft angefertigte - Neuauflage der Magisterarbeit. An wenigen Stellen hat er neue Archivquellen eingebaut. Auch hat Eumann die seit 1991 erschienene Literatur zum Thema fleißig eingearbeitet.

Komplett neu sind lediglich wenige Seiten, und das knapp 30 Seiten umfassende, siebte Kapitel. Auffallend ist die Mühe, die Eumann darauf verwandt hat, vor allem kapitel- oder abschnittseinleitende Sätze umzuformulieren. Nach einer Vorprüfung hat die elfköpfige „Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“ der TU Dortmund den Fall Mitte Februar angenommen. Eine Unterkommission, der vier Mitglieder und als beratendes Mitglied ein Vertreter des Universitäts-Justitiariats angehören, hat alle relevanten Materialien zusammengetragen und alle am Verfahren beteiligten Personen befragt.

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