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Universität Bayreuth : „Guttenberg hat vorsätzlich getäuscht“

  • Aktualisiert am

Der Präsident der Universität Bayreuth, Rüdiger Bormann mit der Doktorarbeit zu Guttenbergs Bild: dpa

Die Universität Bayreuth wirft Karl-Theodor zu Guttenberg vor, bei seiner Dissertation „vorsätzlich getäuscht“ zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt die Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“. Guttenberg habe wissenschaftliche Standards „evident grob verletzt“.

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          Den Vorwurf eines vorsätzlichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens bei der Doktorarbeit des früheren Verteidigungsministers zu Guttenberg (CSU) sieht die Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ der Universität Bayreuth nach Abschluss ihrer Untersuchung bestätigt. „Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest, dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat“, heißt es in einer Zusammenfassung des Berichts, die am Freitag in Bayreuth veröffentlicht wurde.

          Guttenberg hatte dagegen am 23. Februar im Bundestag gesagt: „Ich habe die Fehler unbewusst und ohne Täuschungsabsicht gemacht.“ Und: „Ich habe in allen meinen Stellungnahmen deutlich gemacht, dass ich weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht habe.“

          Der vierzig Seiten umfassende Bericht aus Bayreuth wird am Mittwoch veröffentlicht. Über die ganze Arbeit verteilt fänden sich Stellen, die als Plagiat zu qualifizieren seien, heißt es in der Zusammenfassung. Besonders deutlich lasse sich dies anhand der verwendeten Ausarbeitungen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages veranschaulichen. Guttenberg habe sich immer wieder die Autorschaft angemaßt, was bewusstes Vorgehen voraussetze. Dafür sprächen eine Vielzahl von Indizien - etwa Umformulierungen der Originaltexte, Umstellung der Syntax, Verwendung von Synonymen sowie einzelne Auslassungen.

          Mit einer Fußnote auf 50 Seiten zufriedengegeben

          Die Kommission habe auch das Promotionsverfahren untersucht und eine Mitverantwortung des Doktorvaters und des Zweitgutachters für das Fehlverhalten Guttenbergs verneint, heißt es weiter. Fachleute für wissenschaftliche Plagiate weisen hingegen darauf hin, dass sich der Doktorvater, der Staatsrechtler Häberle, und der Zweitgutachter, der Europarechtler Streinz, die nichtöffentlichen Quellen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags hätten zeigen lassen müssen. Insgesamt gehen gut 50 Seiten der Dissertation auf Plagiate der Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes zurück. Doktorvater und Zweitkorrektor gaben sich offenbar mit einer einzigen Fußnote dazu zufrieden.

          In dieser einen Fußnote schreibt Guttenberg, dass er wesentliche Impulse Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags verdanke. Wer solche Fußnoten schreibe, so die Plagiatfachleute, der verschleiere und täusche absichtlich. Schließlich hätte nichts dagegen gesprochen, die Gutachten des Dienstes zu zitieren. Als strukturell bedingte Plagiatsaffäre sehen die Experten Guttenbergs Dissertation nur insofern, als es bei wissenschaftlichen Qualifikationsarbeiten immer wieder Plagiatsversuche und unentdeckte Plagiate gibt. Ansonsten gebe es aber „stille, geradezu korruptive Elemente“, die auf ein „männerbündisches Verhältnis des Doktorvaters zu seinen Doktoranden“ zurückgingen.

          Die einzige verhaltene Kritik der Bayreuther Kommission findet sich in der Feststellung, dass die Benotung der Arbeit mit dem Prädikat „summa cum laude“ einer ausführlicheren Begründung bedurft hätte. Die Gutachten gäben keineswegs genügend Aufschluss darüber, warum die Höchstnote gerechtfertigt sei. Für die künftige Doktorandenbetreuung an der Universität Bayreuth hat die Kommission „Selbstkontrolle in der Wissenschaft“ konkrete Vorschlage gemacht. Für Juristen werde die Qualifikationsnote für eine Promotion auf ein mittleres Befriedigend (7,5) angehoben. Guttenberg war mit einem schwachen Befriedigend nur zugelassen worden, weil er ein qualitätsvolles Seminar nachweisen konnte.

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