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Union : Wieder im Spiel

  • -Aktualisiert am

Friedrich Merz bekommt eine neue Chance Bild: picture-alliance/ dpa

Friedrich Merz hatten die wenigsten noch auf der Liste, doch der Finanzfachmann der Union erlebt derzeit ein politisches Comeback. Es scheint, als könne Merkel nur gemeinsam mit ihm ihren Traum verwirklichen.

          Friedrich Merz macht es weder sich noch Freund und Feind leicht. Der hochgewachsene, jugendlich wirkende Jurist von bald fünfzig Jahren gehört zu den rednerischen Talenten der Union und ihrer Bundestagsfraktion.

          Daß er in den letzten elf Monaten trotzdem nicht im Vordergrund der christlich-demokratischen Politik stand, hat er seiner Mimosenhaftigkeit zuzuschreiben, die gewiß genauso groß ist wie die Durchsetzungsfähigkeit der CDU-Vorsitzenden Merkel.

          Die Wirren nach der Parteispendenaffäre und dem Rücktritt Schäubles vom Fraktions- und Parteivorsitz haben Frau Merkel und Merz, entgegen jeglicher Planung, zu einer Art Schicksalsgemeinschaft verkettet.

          Fehler aus Unerfahrenheit

          Merz wurde über Nacht zum „Erlöser“ der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, aber er war zu schwach, um nach dem CDU-Parteivorsitz zu greifen. Frau Merkel vermochte gleichzeitig zwar den Parteivorsitz zu erobern, aber sie war zu schwach, um nach dem Fraktionsvorsitz zu greifen. So entsteht lebenslange, unheilbare Rivalität.

          Merz, mit dem mächtigen nordrhein-westfälischen Landesverband im Rücken, wurde ein blendender Fraktionsführer, dem aus Unerfahrenheit auch Fehler unterliefen; Frau Merkel wurde eine umjubelte Parteivorsitzende, die aber Zeit brauchte, um in den westlichen Landesverbänden Wurzeln zu schlagen.

          Merz glaubte, daß seine Leistungen in der vorausgegangenen Wahlperiode über seine Bestätigung im Fraktionsvorsitz entscheiden würden, Frau Merkel aber wußte, daß es das vertraglich festgelegte Vorrecht der beiden Parteivorsitzenden von CDU und CSU ist, den Fraktionsvorsitzenden zu küren.

          Merkels Triumph ist Merz´ Chance

          Frau Merkel hatte dank Stoiber, der ihr für die Kanzlerkandidatur verpflichtet war, nach der Bundestagswahl ein gewonnenes Spiel - und Merz das schmerzliche Nachsehen. Zwischen beiden gab es fortan nur eine einzige Absprache: Sollte die Union einen Posten in Brüssel zu vergeben haben, würde Merz ihn bekommen. Ansonsten wollte man sich aus dem Weg gehen.

          Es ist merkwürdig, daß Merz in dem Moment wieder ins Spiel kam, als Frau Merkel ihren bis dahin größten Triumph feierte: Sie war Kanzlerkandidatin mit besten Aussichten auf den Sieg und stark genug, das in jedem Kabinett ausschlaggebende Finanzressort einem Mann ihrer Wahl versprechen zu können.

          Erst die Berufung von Paul Kirchhof, der Eindruck also, daß die Union selbst gar keinen vorzeigbaren Finanzpolitiker unter ihren Mitgliedern und Abgeordneten habe, lenkte den Blick auf den, der sich in die Schmollecke verzogen hatte: „Wir hatten doch auch einen Finanzfachmann!“, sagten die Parteifürsten - und suchten eine Verwendung für das allseits anerkannte, sich manchmal überschlagende Talent.

          Gemeinsame Träume trotz Rivalitäten

          Schnell - noch bevor Kirchhof in die Kritikmaschinerie der SPD und ihres Spitzenwahlkämpfers Schröder geriet - wurde der Gedanke erörtert, Merz im Falle einer Kanzlerschaft Merkels zum Fraktionsvorsitzenden zu machen, falls nicht gewichtigere Leute, die auf Platz 1 der jeweiligen Landeslisten stehen, einen Anspruch auf die parlamentarische Führung erhöben.

          Damit war Merz insgeheim schon „zurück“, bevor er von einzelnen Ministerpräsidenten der Union öffentlich gelobt wurde. Natürlich liegt damit auch die alte Rivalität zwischen Merz und Frau Merkel wieder in der Luft. Aber wie es im Augenblick aussieht, können beide nur gemeinsam ihren jeweiligen Traum verwirklichen.

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