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Sonntagstrend : Union verliert laut Umfrage weiter an Zustimmung

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Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Parteivorsitzender, sitzt im Plenum des Landtags. Bild: dpa

Der Höhenflug der Grünen hält an. Seit der Kür von Annalena Baerbock zur Kandidatin gehen Mitgliedsanträge und Spenden in Rekordhöhe ein. Bundestagspräsident Schäuble rügt die Union wegen der Auseinandersetzung um die Kanzlerkandidatur.

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          Die Union verliert in einer neuen Umfrage weiter an Zustimmung. Im Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts Kantar für die „Bild am Sonntag“ büßen CDU und CSU drei Prozentpunkte im Vergleich zur Vorwoche ein und erreichen nur noch 24 Prozent.

          Damit liegen sie deutlich hinter den Grünen, die 27 Prozent wählen würden, was minus einen Prozentpunkt zur Vorwoche darstellt. Um jeweils zwei Prozentpunkte zulegen können die SPD auf 15 Prozent und die FDP auf 11 Prozent. Unverändert bleiben die Werte von Linkspartei (7 Prozent) und AfD (10 Prozent).

          Für „Bild am Sonntag“ hat Kantar 1442 Menschen im Zeitraum vom 22. bis zum 28. April dahingehend befragt, welche Partei sie wählen würden, wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahlen wären.

          Schäuble zeigt sich zuversichtlich

          Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sieht nach eigener Aussage trotz des Machtkampfs zwischen CDU-Chef Armin Laschet und CSU-Chef Markus Söder um die Kanzlerkandidatur gute Chancen für die Union bei der Bundestagswahl. „Die Auseinandersetzung um die Kanzlerkandidatur war alles andere als hilfreich“, sagte der CDU-Politiker der „Augsburger Allgemeinen“. Allerdings sei bis zur Bundestagswahl im September noch genügend Zeit, um eine Regierungsmehrheit unter Führung der Union zu erringen. „Die derzeitige Stimmung schreckt mich nicht.“

          Natürlich müssten CDU und CSU alles dafür tun, „dass wir es schaffen, eine Mehrheit zu erringen und wieder den Bundeskanzler zu stellen.“ Schäuble weiter: „Ich glaube aber, wir haben gute Chancen dazu, wenn wir die richtigen inhaltlichen Themen setzen und in der Union geschlossen dafür kämpfen.“

          „Markus Söder hat große Qualitäten, das ist völlig unbestritten“, sagte Schäuble. „Es liegt in der einzigartigen Struktur der Union, dass die Entscheidung für einen Kanzlerkandidaten nicht einfach war. Jetzt haben wir sie getroffen und Markus Söder hat erklärt, dass wir gemeinsam kämpfen.“ CDU-Chef Laschet sei der richtige Mann in einer solchen Krisensituation, sagte Schäuble: „Armin Laschet hat bewiesen, dass er solche Krisen als Chance nutzen kann.“

          Söder: Thema Klimaschutz nicht den Grünen überlassen

          Auch Söder selbst glaubt nach eigenen Aussagen daran, dass der Kanzlerkandidat der Union, Armin Laschet, nach der Wahl im September ins Kanzleramt einziehen wird. „Die Union hat beste Chancen, das Kanzleramt wieder zu erobern“, sagte Söder der „Welt am Sonntag“. Die Kernfrage laute, wem es am besten gelinge, Ökologie und Ökonomie zu verbinden.

          „Die Kerninspiration für mehr Klimaschutz dürfen wir nicht den Grünen überlassen“, sagte Söder im Interview mit der Zeitung. „Die Grünen denken nur an radikalen Umweltschutz, ohne die Folgen für Arbeitsplätze im Blick zu haben. Die FDP hat vor allem radikale Marktinteressen im Blick, ohne die Nachhaltigkeit stärker zu bedenken. Nur die Union kann beides verbinden und kann damit am Ende erfolgreich sein.“ Die Union müsse ihre Ideen für mehr Klimaschutz nach vorn stellen und hier Schrittmacher werden.

          Günther schließt Kandidatenaustausch aus

          Ungeachtet der schlechten Umfragewerte stellt sich auch der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hinter den Kanzlerkandidaten Laschet. Einen Austausch des Kandidaten schließt er aus: „Das ist fernab jeder Vorstellungskraft“, sagte Günther in einem Interview mit dem „Tagesspiegel am Sonntag“.

          Den im Rennen um die Kanzlerkandidatur unterlegenen CSU-Chef Söder kritisierte Günther für seine Sticheleien und Aussagen, Laschet sei ein „Helmut Kohl 2.0“. „Das ist eben das CSU-Verständnis von ‚Akzeptieren ohne Groll‘“, sagte Günther.

          Laschet habe gegen Söder unter Beweis gestellt, dass er Führungsstärke habe und dass er sich durchsetzen könne: „Das ist ja für einen Kanzler nicht das Schlechteste.“ Günther glaubt, dass es für die CDU bald aufwärts gehen werde: „Armin Laschet hat an allen wichtigen Wegmarken gezeigt, dass er ein echtes Zugpferd im Wahlkampf ist.“

          Baerbock würde eine Kanzler-Direktwahl gewinnen

          Bei einer Kanzler-Direktwahl würde Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock laut einer Insa-Befragung für die „Bild am Sonntag“  deutlich besser abschneiden als ihre Mitbewerber. 26 Prozent würden sich demnach für Baerbock direkt entscheiden, SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz käme auf 16 Prozent, Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet auf 15 Prozent. Insa befragte am 30. April 1000 Menschen.

          Die Grünen verzeichnen nach der Nominierung von ihrer Parteichefin als Kanzlerkandidatin vor knapp zwei Wochen weiter zahlreiche Neumitglieder. „Seit der Nominierung von Annalena Baerbock hatten wir über 3700 Eintritte in die Partei. Wir liegen jetzt bei über 110.000 Mitgliedern“, sagte Bundesgeschäftsführer Michael Kellner der „Welt am Sonntag“.

          Auch bei den Spenden gibt es einen deutlichen Trend: „Im Superwahljahr 2021 hatten wir auf 700.000 Euro gehofft. Nun sind wir bei zweieinhalb Millionen Euro, darunter sind Großspenden, aber auch sehr viele kleinere Beträge.“

          Die Partei hat ihren Wahlkampfetat erhöht. „Aktuell planen wir insgesamt mit 12 Millionen Euro. Das ist etwa doppelt so viel wie noch 2017, aber weiterhin deutlich weniger als den beiden großen Parteien zur Verfügung steht“, sagte Kellner.

          „Wir sind der Hauptgegner von CDU/CSU. Das hat sich auch während der Pandemie nicht geändert“, sagte Kellner und bekräftigte: „Wir kämpfen mit der Union um Platz eins.“

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