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Neue Studie in Hessen : Ausgangssperren „nicht effektiv“

Nächtliche Ausgangssperre seit Dienstag: leere Straße in der Innenstadt von Halle Bild: dpa

Nächtliche Ausgangssperren sind „kein geeignetes Mittel“, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Universität Gießen.

  • -Aktualisiert am
          2 Min.

          Einer Studie der Universität Gießen zufolge sind bisherige nächtliche Ausgangssperren in hessischen Kreisen und kreisfreien Städten ohne Auswirkung auf die Inzidenzzahlen geblieben. „Wir finden keine statistisch signifikante Evidenz, dass nächtliche Ausgangssperren eine Auswirkung auf die Verbreitung der Pandemie haben“, heißt es in einer vorläufigen Fassung der Studie, die der Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre der Universität Gießen am Dienstag veröffentlichte. Nächtliche Ausgangssperren hätten demnach „nicht zu einer Abnahme der Inzidenzen beigetragen“.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Für die Studie waren die Inzidenzwerte des Robert-Koch-Institutes von mehreren Kreisen und kreisfreien Städten in Hessen untersucht worden, in denen nächtliche Ausgangssperren verhängt worden waren. Untersuchungszeitraum war die „zweite Welle“ der Pandemie, also Mitte November 2020 bis Ende Februar 2021. In dieser Zeit gab es der Studie zufolge in 15 von 26 Kreisen und kreisfreien Städten in Hessen nächtliche Ausgangssperren. Diese dauerten im Schnitt 28 Tage, am längsten in Fulda mit 55 Tagen. Verglichen wurde die Entwicklung der Inzidenzen von Kreisen und kreisfreien Städten, in denen Ausgangssperren verhängt wurden, mit jenen, in denen das nicht der Fall war. Mögliche Verzögerungen durch Inkubationszeiten und Meldeverzug wurden beachtet.

          „Kein effektives Mittel“

          Die Ergebnisse legten nahe, dass nächtliche Ausgangssperren „kein effektives Mittel“ seien, um die Übertragung des Virus zu limitieren, wenn schon andere Maßnahmen implementiert seien, schreiben die Wissenschaftler in dem achtseitigen Papier. Auch am Effekt weiterer Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie, die zusammen mit den Ausgangsbeschränkungen verhängt wurden, weckt die Studie Zweifel.

          So weisen die Forscher darauf hin, dass zusammen mit den Ausgangssperren etwa der Bewegungsradius eingeschränkt sowie Individualsport in Innenräumen verboten worden seien. Die unterschiedlichen Effekte dieser Maßnahmen seien nicht auseinanderzuhalten, doch hätten alle drei „in ihrer Gesamtheit keinen signifikanten Effekt in unserer Analyse aufgewiesen“, sagte Georg Götz, Professor für VWL in Gießen und Mitautor der Studie, der F.A.Z.

          Die jüngste Novelle des Infektionsschutzgesetzes („Bundes-Notbremse“), über die an diesem Mittwoch im Bundestag debattiert wird, sieht künftig bundesweit eine nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr vor für Kreise oder kreisfreie Städte, in denen die Inzidenz sieben Tage lang über dem Wert von 100 lag. Damit sollen die Mobilität eingeschränkt und Kontakte reduziert werden. Allerdings hatten auch Forscher des Robert-Koch-Instituts und der Humboldt Universität kürzlich Daten veröffentlicht, die nahelegen, dass sich Ausgangssperren kaum auf die Mobilität insgesamt auswirken dürften, da diese spät abends und nachts ohnehin nur sehr gering ist.

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