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Antisemitische Demonstrationen : Eine unheimliche Mischung

Ein Polizist bewacht die Frankfurter Westend-Synagoge. Bild: dpa

Zum alteingesessenen Antisemitismus in Deutschland gesellt sich eingewanderter Judenhass. Migranten werden nicht automatisch zu „guten Deutschen“.

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          Seit 1961 wird zu Beginn Evangelischer Kirchentage der Opfer des Holocausts gedacht. Am Freitag wurde auch auf dem Ökumenischen Kirchentag an die fast 12000 Frankfurter Juden erinnert, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Das Gedenken vor der Westend-Synagoge ist – ungeplant – zu einem Kontrapunkt zu den Szenen geworden, die sich in dieser Woche vor jüdischen Gotteshäusern und Gemeindezentren in Gelsenkirchen, Bonn, Düsseldorf, Mannheim und anderen deutschen Städten abspielten. Dort brach sich militanter Antisemitismus Bahn, mitunter nicht einmal mehr getarnt als Protest gegen Israels Reaktion auf den Angriff der Hamas.

          Weil man nicht an die Köpfe herankommt

          Insbesondere nach den verstörenden Bildern aus Gelsenkirchen wurde Kritik an der Polizei laut, weil die sich, überrascht von der Zahl der „Demonstranten“, auf die Sicherung der Synagoge konzentriert habe. Was für ein billiger Vorwurf! Zum Glück hielt wenigstens diese letzte Linie. Das größere Scheitern im Kampf gegen den alten wie neuen Antisemitismus gab es schon, bevor er sich ohne Scheu auf den Straßen zeigte. In vielen Fällen ist die Schlacht um die Gehirne verloren gegangen – oder noch nicht einmal eröffnet worden, weil man an die Köpfe der jungen Männer gar nicht herankommt, die sich unter arabischen und türkischen Fahnen vor den Synagogen zusammenrotteten.

          Keine Umerziehung im Handumdrehen

          Da mische sich unheimlich viel zusammen, sagte der Düsseldorfer Innenminister Reul. „Unheimlich“ ist das richtige Wort. Zum alteingesessenen Antisemitismus gesellt sich der Hass auf Israel, der mit den Einwanderern kam und immer noch kommt. Was Deutschland aus seiner Geschichte gelernt hat, ist vielen Migranten fremd. Die Erwartung, Flüchtlinge würden auch in Sachen Vergangenheitsbewältigung schon irgendwie zu „guten Deutschen“, steht auf wackeligen Beinen. Gerade die linken Parteien wollten lange gar nicht, dass Einwanderer „zu deutsch“ werden. Doch selbst partielle Umerziehung gelingt nur selten – und kaum bei Hunderttausenden im Handumdrehen. Besonders die einladende Einwanderungspolitik der Grünen aber glaubt noch immer daran.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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