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Unesco : Wattenmeer wird Weltnaturerbe

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Das Wattenmeer vor dem schleswig-holsteinischen Ort St. Peter-Ording Bild: dpa

Das Unesco-Welterbekomitee hat das Wattenmeer in die Liste des Kultur- und Naturerbes aufgenommen. Das entschied das Gremium am Freitag in Sevilla. Am Vortag hatte das Dresdner Elbtal diesen Titel verloren.

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          Das Wattenmeer in der Nordsee wird Weltnaturerbe: siebzehn Jahre nach den ersten Überlegungen und eineinhalb Jahre nach dem förmlichen Antrag. Das Welterbekomitee der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) billigte am Freitag den Antrag für eine der letzten ursprünglichen Naturlandschaften Mitteleuropas und eines der größten Feuchtgebiete der Erde. Bundesumweltminister Gabriel (SPD) begrüßte die Aufnahme in die Liste von etwa 200 einzigartigen, schützenswerten Naturdenkmälern als „Erfolg und Verpflichtung“. Mit der Erklärung zum Weltnaturerbe werden wirtschaftliche Begehrlichkeiten erschwert - etwa die angestrebte Erdgas- und Erdölförderung vor der Küste, der Bau von Stromleitungen zwischen geplanten Windräderparks vor der Küste und dem Festland sowie die Vermarktung von Freizeitsportarten wie Kite-Surfing. Neben der Liste von Weltnaturerbestätten erkennt die Unesco auch Stätten des Weltkulturerbes an - dort ist Deutschland mit 32 Orten vertreten.

          Das größte Wattenmeer der Welt wird die erste deutsche Naturlandschaft mit Welterbestatus - dieser wurde etwa auch den Galapagos-Inseln, dem Serengeti-Nationalpark und dem Grand Canyon zuerkannt. Das einzige deutsche Weltnaturerbe bisher ist die Grube Messel bei Darmstadt als zentrale Fossilienfundstätte. Der niedersächsische Ministerpräsident Wulff (CDU) wies auf die herausragende Bedeutung des Wattenmeers für Zugvögel, Robben und Seehunde hin. Das Schlickgebiet vor der Nordseeküste gilt als zentrale Drehscheibe für den Vogelflug von der Arktis nach Südafrika und von Kanada bis Sibirien. Bis zu zwölf Millionen Zugvögel nutzen bei Flut bestimmte Rastplätze und suchen bei Ebbe Nahrung im Watt. Das Wattenmeer ist das vogelreichste Gebiet Mitteleuropas.

          Deutsch-holländischer Gemeinschaftsantrag

          Niedersachsen, Schleswig-Holstein, die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland hatten den Antrag gemeinsam gestellt. Hamburg zog sich wie zuvor Dänemark zurück, weil es befürchtete, der Weltnaturerbestatus behindere die geplante Vertiefung der Fahrrinne der Unter- und Außenelbe; es erwog aber in den letzten Tagen, sich nachträglich anzuschließen. Vorbereitet wurde der Antrag durch mehrere Konferenzen, die Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung und durch das Gemeinsame Wattenmeersekretariat in Wilhelmshaven.

          Kritiker wenden ein, die Erklärung stärke nicht den Schutz, werde aber noch mehr Touristen (bisher 30 Millionen Übernachtungen allein an der niedersächsischen Küste) anlocken. Das gesamte Schutzgebiet erstreckt sich über 13000 Quadratkilometer von List auf Sylt bis zum niederländischen Den Helder bei der Insel Texel. Einen Rückschlag erfuhr der Naturschutz an der Küste durch den Brand auf der Vogelinsel Mellum, der in der vergangenen Woche um die tausend Vogelnester zerstört haben dürfte. Mellum ist eine der drei unbewohnten Inseln im Nationalpark „Niedersächsisches Wattenmeer“ und steht seit 1921 unter Schutz.

          Das neue Weltnaturerbe umfasst ein Gebiet, das im Wechsel der Gezeiten überflutet wird und bei Ebbe trocknet. In diesem Übergleiten von Inseln, Dünen, Salzwiesen, immer wasserführenden Prielen sowie Sandbänken leben Tierarten - winzige Krebse, Würmer und andere Kleinstlebewesen -, die es nirgendwo anders gibt. Ein Beispiel sind 400 Insektenarten, die sich auf 25 Pflanzenarten der Salzwiesen wie Seegras oder Strandhafer spezialisiert haben. Zugvögel finden nur hier genug Nahrung und Energie für ihr Pendeln zwischen den nördlichen Brutgebieten und den südlichen Winterquartieren. Auch hier bedroht der Klimawandel das einzigartige Ökosystem: Wissenschaftler sprechen von einem „Wiesensterben“, einem sichtbaren Rückgang der Seegraswiesen als Folge der Erderwärmung, des stärkeren Wellenganges und der Überdüngung der Nordsee. Das jüngste Wattenmeersymposion in Wilhelmshaven im April warnte, seit dem ersten Treffen dieser Art 1975 habe der Klimawandel das Wattenmeer deutlich beschädigt.

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