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Trotz Corona-Pandemie : UN-Flüchtlingshilfswerk ruft Deutschland zu Flüchtlingsschutz auf

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Ein Mitglied der „Ocean Viking“ kümmert sich Ende Januar im Mittelmeer um Kinder, die in Isolier-Decken gehüllt sind. Bild: dpa

Vertriebene sind gegen das Coronavirus schlechter geschützt als andere. Der UN-Flüchtlingshilfswerk fordert von der Bundesregierung, die Rettung von Leben zu einer Priorität der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu machen.

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          Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen UNHCR hat die Bundesregierung aufgerufen, den Schutz der Flüchtlinge auch in Corona-Zeiten zu einer der Prioritäten ihrer Ratspräsidentschaft zu machen. „Das Virus kennt keine Grenzen und betrifft uns alle“, sagte Gonzalo Vargas Llosa, UNHCR-Beauftragter für EU-Angelegenheiten. Doch Vertriebene seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt. „Durch politische und finanzielle Unterstützung kann die EU dazu beitragen, eine globale Krise zu bewältigen und Flüchtlinge besser zu schützen.“

          Bei der Sicherung des Zugangs zu einem gerechten und schnellen Asylverfahren sei auch Solidarität mit den EU-Staaten nötig, die unverhältnismäßig viele Asylanträge erhielten, erklärte das UNHCR. Doch „die Rettung von Leben und der Schutz von Menschen müssen im Mittelpunkt aller Bemühungen stehen“. Positive Beispiele in der EU zeigten, dass die öffentliche Gesundheit geschützt und der Zugang zu Asyl gewährt werden könnten, wenn Quarantäneregeln befolgt und Gesundheitskontrollen gesichert würden.

          Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warnte vor neuen Flüchtlingswellen nach Europa, sollte die EU-Kommission nicht endlich mehr Mittel für die Bekämpfung der Pandemie-Folgen in den Entwicklungsländern zur Verfügung stellen. „Brüssel hat zwar Geld für Hilfsmaßnahmen umgeschichtet, aber bisher keinen einzigen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt, um die dramatische Notlage zu bekämpfen. Das ist beschämend“, sagte Müller dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Mittwoch).

          85 Prozent der Flüchtlinge weltweit finden laut UNHCR Zuflucht in Entwicklungsländern, in denen die Gesundheitssysteme überfordert sind. Eine flexible Finanzierung sei nötig, um die Aufnahmeländer und die Vertriebenen zu unterstützen. Flüchtlinge müssten Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung bekommen, um die sozioökonomischen Auswirkungen von Covid-19 zu begrenzen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten statt lediglich ums Überleben zu kämpfen.

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