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Umweltschutz : „Der WWF ist schizophren“

Der WWF ist aus meiner Sicht in erster Linie ein Geschäftsmodell. Er hat keine Scheu, mit großen Ölkonzernen Deals zu machen. Die Industriepartnerschaften haben weltweit zugenommen, in Deutschland entwickeln sie sich gerade erst. Hier fließt viel Geld vom Staat in Vorhaben, an denen der WWF beteiligt ist. So zahlt das Entwicklungshilfeministerium unter anderem für das Projekt „Heart of Borneo“, womit auch die angeblich nachhaltige Anlage von Palmölplantagen gefördert wird. Das Problem ist: Wo Palmölplantagen entstehen, muss erst einmal der Wald weg.

Kann man die nicht auf Brachflächen anlegen? Dann würde der Regenwald geschont.

Was in Indonesien vor 30 Jahren abgeholzt und zur Brachfläche wurde, ist heute wieder Wald. Es ist zwar Sekundärwald, aber von hohem Wert. Brachflächen, auf denen gar nichts wächst, gibt es eigentlich nicht. Und alle Flächen gehören jemandem, einem Dorf oder einem indigenen Volk. Die Konflikte mit der lokalen Bevölkerung und die Mitverantwortung für deren Vertreibung kann der WWF nicht einfach von der Hand weisen. In Indien klagte die Stiftung sogar vor dem Obersten Gerichtshof, was in der Folge die Vertreibung von Ureinwohnern aus geplanten Naturreservaten beschleunigte.

Der WWF gibt zu, dass das „zu den dunkelsten Kapiteln des Naturschutzes“ gehört. Aber man habe dazugelernt und lehne Zwangsumsiedlungen strikt ab.

Das Kriterium der Wahrheit ist für mich immer die Praxis, nicht die Theorie. Ich sehe oft Widersprüche zwischen den Verheißungen in den schönen Prospekten und der Praxis, wie in Indien oder bei den Pygmäen in Uganda, die dem Tourismusprojekt Berggorillas weichen mussten und vor der Ausrottung stehen. Der WWF profitiert dort mit eigenen Gorilla-Touren direkt vom Ökotourismus.

Sie werfen dem WWF vor, auch auf Gentechnik zu setzen. Aber der WWF lehnt Gentechnik auf internationaler Ebene ab. Wie passt das zusammen?

Zur Gentechnik bekennen sich einzelne Länderorganisationen, und zwar ausgerechnet jene, die bei Anbau und Handel mit gentechnisch manipuliertem Soja entscheidend sind: aus den Vereinigten Staaten, Argentinien und den Niederlanden. Gentechnisch verändertes Soja ist in erster Linie für den europäischen Markt bestimmt, wo der größte Teil zu „Bio-Diesel“ wird. Die Bundeskanzlerin und andere Politiker haben irgendwann gesagt, wenn es stimmt, dass für Bio-Diesel Wälder verfeuert werden, dann fordern wir in der EU, dass ein Nachhaltigkeitsnachweis erbracht wird. Und das geschieht mit einem Siegel des „Runden Tisches für verantwortungsvolles Soja“. Das schließt Gen-Soja ausdrücklich ein. Der WWF war an der Gründung des Projekts beteiligt, und so ist das genmanipulierte Soja mit seiner Hilfe elegant in den europäischen Markt geschlüpft.

Gen-Soja wird auch als Futtermittel in der Tiermast verwendet. Was essen Sie überhaupt noch?

Ich esse überwiegend vegetarisch. Meine Töchter machen seit Jahren Terror. Wenn ich Fleisch esse, fragen die jedes Mal, ob ich mir vorstellen könnte, so ein Schwein selbst zu schlachten. Da ist mir allmählich der Appetit vergangen. Wenn ich mal Fleisch esse, dann im Restaurant - unbeobachtet.

Mit dem Autor sprach Stefan Tomik.

Wilfried Huismanns Buch „Schwarzbuch WWF. Dunkle Geschäfte im Zeichen des Pandas (Gütersloher Verlag, 2012) ist direkt beim Verlag erhältlich: www.randomhouse.de.

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