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Umstrittene Zitate über Kohl : „Thierses Äußerungen grenzen für mich an Niedertracht“

  • Aktualisiert am

Thierse steht in der Kritik Bild: picture-alliance/ dpa

Der Vizepräsident des Bundestages hat sich nach der scharfen Kritik der Kanzlerin abermals ausdrücklich dafür entschuldigt, den Eindruck erweckt zu haben, er erhebe gegen Altkanzler Kohl Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Tod von dessen Ehefrau Hannelore.

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          Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat sich ausdrücklich dafür entschuldigt, den Eindruck erweckt zu haben, er erhebe gegen Altkanzler Helmut Kohl (CDU) Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Tod von dessen Ehefrau Hannelore.

          Er beharrt aber darauf, er habe in der „Leipziger Zeitung“ weder Kritik an Kohl geübt noch ihm einen Vorwurf gemacht. Zuvor hatte Thierse in einem Brief an Kohl sein Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht, dass seine veröffentlichte Äußerung zu Kohl und dessen Ehefrau zu einem „falschen Eindruck“ geführt habe.

          „Wirkliche Entschuldigung nötig“

          Zuvor hatte die „Leipziger Volkszeitung“ ihn am Mittwoch mit den Worten zitiert: „Seine Frau im Dunkeln in Ludwigshafen sitzen zu lassen, wie es Helmut Kohl gemacht hat, ist kein Ideal.“ Die Union reagierte empört. Bundeskanzlerin Merkel sagte dazu der „Bild“-Zeitung: „Die Äußerungen von Herrn Thierse sind für mich menschlich zutiefst unverständlich. Sie grenzen für mich an Niedertracht.“ Frau Merkel forderte, „seinem halben Bedauern“ müsse „umgehend eine wirkliche Entschuldigung folgen“, wenn Thierse „noch einen Funken von Größe“ habe.

          Die Kanzlerin fordert „eine wirkliche Entschuldigung”
          Die Kanzlerin fordert „eine wirkliche Entschuldigung” : Bild: picture-alliance/ dpa

          Thierse hatte am Donnerstagmorgen einen persönlichen Brief an Kohl geschrieben. Es habe sich „um die arg verkürzte und nicht autorisierte Fassung eines Gesprächs“ gehandelt, hieß nach seinen Angaben in dem Schreiben, das ein Bote am Donnerstag morgen zum Büro Kohls brachte. Zugleich hob Thierse hervor, er habe den früheren Bundeskanzler „auf keinen Fall“ kritisieren wollen: „Da ich ihn weder kritisiert noch ihm einen Vorwurf gemacht habe, fällt es mir auch nicht schwer, mich ausdrücklich dafür zu entschuldigen, dass ein anderer Eindruck entstanden ist.“ Er entschuldige sich auch dafür, dass Kohl verletzt worden sei. „Ich habe ihm nichts vorzuwerfen“, sagte Thierse.

          Auch aus der eigenen Partei erhielt Thierse nun Kritik: „Ich halte es für glaubhaft, dass Herr Thierse nicht Helmut Kohl in seiner Integrität treffen wollte, tatsächlich hat er eine Grenze überschritten“, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Donnerstagabend im ZDF. Allerdings habe sich Thierse „glaubhaft entschuldigt“.

          Ärger über Zweifel an Münteferings Motiven

          Hannelore Kohl hatte lange Jahre unter einer Lichtallergie gelitten und sich 2001 das Leben genommen. Thierse gab nun an, er habe lediglich im Zusammenhang mit dem Rückzug von Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) deutlich gemacht, dass es wegen der zeitlichen Beanspruchung der Politiker im Verhältnis zwischen ihrem Beruf und der Familie immer Situationen geben könne, in denen es keine ideale Lösungen gebe. Müntefering hatte als Grund und Anlass seines Rücktritt die Krebserkrankung seiner Frau Ankepetra genannt.

          Thierse hatte sich nach dem Rückzug des Arbeitsministers über Äußerungen von Politikern anderer Parteien geärgert, die Münteferings Motive in Zweifel gezogen hatten. Unter Bezug auf auch Kohl, sagte Thierse: „Ohne dass es vergleichbar wäre. Die Politik ist nicht das Allerwichtigste. Man sollte sich in solchen Phasen das Recht nehmen, auch einmal still zu halten. Es ist nicht so, dass man ein Schwächling ist, wenn man nicht immer sofort in diesen unmenschlichen Entscheidungsdruck verfällt.“

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