https://www.faz.net/-gpf-8sf94

Umstrittene Rede : Petry kritisiert Höcke in Rundschreiben an AfD-Mitglieder

Petry und Höcke in der Bundespressekonferenz 2014 Bild: dpa

Bewusster Rückgriff auf „nationalsozialistische Vergangenheit“: Frauke Petry verbreitet per Rundmail eine kommentierte Fassung der umstrittenen Höcke-Rede. Die Rede habe „Sprengpotential“ für die gesamte Partei.

          In einer E-Mail an alle AfD-Mitglieder hat die Parteivorsitzende Frauke Petry den thüringischen Landesvorsitzenden Björn Höcke kritisiert. Es gebe „ernste Fragen bezüglich seines Verhältnisses zur Partei und ihren demokratischen Gremien“, schrieb Petry. Höckes Dresdner Rede am 17. Januar enthalte „nicht nur Sprengpotential für die Einheit der Partei, sondern insbesondere auch für das Demokratieverständnis der AfD“. Seine Auftritte hätten in der Vergangenheit schon „zu Hunderten von Parteiaustritten“ geführt. Zu Höckes Aussagen über die Erinnerungskultur an den Holocaust schrieb Petry: „Den durch Björn Höcke aufgezeigten Weg einer 180-Grad-Wende in der Geschichtsbetrachtung sowie die Verächtlichmachung des Parlamentarismus und seiner Vertreter“ halten wir „für einen Irrweg“.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik.

          In einer nur für Mitglieder zugänglichen Kommentierung der Rede, die der F.A.Z. vorliegt, werden Einzelheiten kritisiert. Dass Höcke der Kanzlerin vorwirft, das Volk „heimtückisch hinters Licht“ geführt zu haben, wird ihm als bewusste Assoziation zum „Heimtückegesetz“ der Nationalsozialisten ausgelegt. Als Höcke den Deutschen vorwirft, den „Gemütszustand“ eines „total besiegten Volkes“ zu haben, wird dies als „erneuter Rückgriff auf die nationalsozialistische Vergangenheit“ und die Rede des Reichspropagandaleiters Joseph Goebbels vom „totalen Krieg“ bezeichnet.

          Die Stiftung der Gedenkstätte des früheren Konzentrationslagers Buchenwald teilte am Donnerstag mit, dass Höcke von einer Gedenkveranstaltung des Thüringer Landtags an diesem Freitag ausgeschlossen sei. Zur Begründung teilte die Stiftung mit, Höcke habe solche Anlässe als „dämliche Bewältigungspolitik“ bezeichnet. Höcke äußerte zunächst, er wolle dennoch an der Kranzniederlegung teilnehmen. Es stehe der Stiftung nicht zu, „zu entscheiden, wer für ein Verfassungsorgan an dieser offiziellen Gedenkveranstaltung teilnimmt“. Inzwischen hat der Politiker eingelenkt, er verzichtet auf die Teilnahme.

          Weitere Themen

          Kurz fordert Entlassung von Innenminister Kickl Video-Seite öffnen

          Regierungskrise in Österreich : Kurz fordert Entlassung von Innenminister Kickl

          Im Zuge des Ibiza-Skandals hat Österreichs Regierungschef Sebastian Kurz die Entlassung von FPÖ-Innenminister Herbert Kickl gefordert. Er habe Präsident Alexander van der Bellen Kickls Entlassung "vorgeschlagen", sagte Kurz. Wegen der Entlassung von Kickl will die rechtspopulistische FPÖ wie angekündigt sämtliche Minister aus der Regierung abziehen.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Boden : Von der Musterehe zum Rosenkrieg

          Aus den Rissen in der türkis-blauen Koalition wurden durch die Ibiza-Affäre in beeindruckender Geschwindigkeit Gräben. Die Neuwahl ist für Sebastian Kurz eine Chance, mehr Stimmen für die ÖVP zu gewinnen – aber sie birgt auch ein großes Risiko.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.