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Umgangston in der Politik : In den Hintern, auf die Fresse

Ein dicke Haut brauchen Politiker, wenn sie sich andauernd gegenseitig in den Allerwertesten treten wollen Bild: dpa

Andrea Nahles riecht Angela Merkels Schwäche und stellt sich vor, wie die CDU die Kanzlerin in den Allerwertesten tritt. Dabei ist das In-den-Hintern-Treten von Vorsitzenden doch eher eine Spezialität der Genossen.

          Trump im Weißen Haus, die AfD vor Berlin, die Bayern punktgleich mit RB Leipzig, es sind schlimme Zeiten, in denen nichts mehr sicher ist. Wie gut, dass wir uns immerhin um eine Sache keine Gedanken machen müssen: um die feine Nase von Andrea Nahles. Wer sie noch nicht kennt oder es schon wieder vergessen hat: Das ist unsere Bundesarbeitsministerin, die früher mal SPD-Generäle dahinmeuchelte, als die das R noch zu rollen pflegten, jetzt aber eher im Hintergrund wirkt.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          „Ich rieche ihre Schwäche“, sagte Nahles vor einigen Tagen auf dem SPD-Landesparteitag in Bayern und meinte damit nicht etwa die Schweißflecken unter den Achseln der Genossen in NRW, sondern die Kanzlerin. Die SPD brauche nur abzuwarten, wie sich die CDU zerlege, prophezeite Nahles, die alte Spürnase, sehr zur Begeisterung ihrer Zuhörer – der Essener Parteitag habe gezeigt, dass die CDU, sobald Merkel den Raum verlassen habe, tief gespalten sei. „Dann lässt sie die Sau raus, dann zeigt sie ihr wahres Gesicht beim Doppelpass, beim Burka-Verbot, dann tritt sie ihrer Kanzlerin in den Hintern“, fuhr Nahles in der ihr eigenen zarten Lieblichkeit fort.

          Schöner hat seit Ronald Pofalla keiner mehr seine Wertschätzung ausgedrückt, der sich in Bezug auf Wolfgang Bosbach allerdings mehr mit der Nahrungsauf- als mit deren Abgabe befasste („Ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen.“)

          Auch Genossen sitzen mit beiden Backen fest auf der Erde

          Trotzdem beweist der Hintern von Nahles, dass auch Sozialdemokraten durchaus mit beiden Backen fest auf der Erde sitzen können, so sie denn wollen – und dass man auch in der Eifel die alte Weisheit von Gregor Gysi kennt, wenn man kurz sei (oder auch nur so rüberkommt), müsse man eben eine große Fresse haben, weil man sonst nicht wahrgenommen werde.

          Wir erlauben uns an dieser Stelle gleichwohl den dezenten Hinweis, dass das Rauslassen der Sau und auch das In-den-Hintern-treten auch bei den Genossen eine äußerst beliebte Beschäftigung ist. Man denke an die liebevoll-diplomatische Art, mit der Kurt Beck, der Hahn hab' ihn selig, am Schwielowsee per Hinterausgang aus dem Amt des Parteivorsitzenden gekickt wurde – freiwillig, versteht sich.

          „Wenn sie aber nicht mehr im Raum ist, dann ist diese CDU tief gespalten, dann lässt sie die Sau raus“: Andrea Nahles über ihre Chefin Angela Merkel und die Christdemokraten

          Oder auch die große Wertschätzung, die sich im vergangenen Jahr auf dem Parteitag in Berlin ausdrückte, als die SPD Sigmar Gabriel bei dessen Wiederwahl auf offener Bühne ihre vollumfängliche Liebe gestand. Dagegen war die Doppelpass-Volte von Jens Spahn und der Jungen Union in Essen ein liebevolles Gruppenkuscheln mit der Großen Vorsitzenden.

          Noch viel öfter ist bei den Sozialdemokraten aber ja das Problem, dass sie ihrem Spitzenpersonal – vulgo Parteichef oder Kanzlerkandidat – gerne mit großem Anlauf in den Allerwertesten treten würden, wenn sie nur wüssten, wer das gerade ist – geschweige denn, ob es überhaupt schon (noch?) so jemanden gibt.

          Die Zeit der Dreckschweine ist vorbei

          Ach, Schwamm über solche Nickligkeiten, es fehlt einfach die menschliche Wärme in der deutschen Politik, in der die Betriebstemperatur seit Frauke Petry und Björn Höcke bis weit unter den Gefrierpunkt gesunken ist. Stünde Herbert Wehner doch nur noch einmal am Rednerpult, er würde mit großer Verve in den Saal werfen, nein brüllen, dass man sich doch erst einmal waschen solle, bevor überhaupt irgendetwas anderes geschieht und die Grünen anfangen können zu stricken.

          Nach Wehner würde Franz Josef Strauß ans Mikrofon treten und nachdenklich von Dreckschweinen, Ratten und Schmeißfliegen reden, und ob der darauffolgenden Keilerei, in der weder Fressen noch Hintern verschont blieben, würde vor lauter Ausdünstungen niemand mehr darüber nachdenken, wessen Schwäche man jetzt gerade wie riechen kann. Davon kann Andrea Nahles nur träumen.

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