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SPD : Die Frau Nahles

Andrea Nahles gibt am 3. Juni ein Statement vor der Parteizentrale in Berlin ab. Bild: AFP

Die SPD entpuppt sich im Umgang mit Nahles als Partei, die zwar gern den Anschluss an gendergerechte Identitätspolitik sucht – darüber aber vergessen hat, dass Solidarität, Gleichberechtigung oder Feminismus nicht als kulturelles Gedöns gemeint waren.

          Die erste Frau an der Spitze der SPD ist nicht gerade so behandelt worden, wie man es von einer Partei erwartet hätte, zu deren Manifesten die „Die Frau und der Sozialismus“ des Parteigründers August Bebel gehört. Schon vor dem Rücktritt von Andrea Nahles, der nicht nur Rücktritt, sondern Kapitulation war, wurde in Zweifel gezogen, ob die Partei auch mit einem Mann so umgesprungen wäre.

          Nach ihrem Rücktritt müssen sich nun auch die reumütigen Genossen fragen lassen, ob ihre Krokodilstränen nicht ein bisschen spät kommen und nur deshalb so groß ausfallen, weil sie über das Schicksal einer Frau vergossen werden – ausgerechnet auch noch von denjenigen, die wie Kevin Kühnert („Ich schäme mich“) maßgeblich und penetrant zum Misserfolg der Vorsitzenden beigetragen haben.

          Nur die Reaktion auf die Selbststilisierung der Frauen?

          Andrea Nahles konnte sich über Jahre aus nächster Nähe anschauen, wie Angela Merkel mit ihrer Macht umgeht. Sie wollte es ähnlich, aber doch ganz anders machen – politisierter, kämpferischer, emotionaler. Doch kämpft ein Mann, heißt es, er sei kämpferisch; kämpft eine Frau, heißt es, sie brülle herum. Ist ein Mann emotional, heißt es, er zeige sympathische Schwäche. Ist es eine Frau, muss sie damit rechnen, als naiv, als peinlich bezeichnet zu werden, als jemand, für den man sich schämen müsse.

          Nahles’ Intimfeinde waren sich nicht zu schade, so zu reden, selbst wenn sie, wie Florian Post, aus einem Landesverband kommen, der zu den letzten gehört, der wüsste, wie man es besser macht.

          Oder ist die Kritik an Nahles nur die Reaktion auf die Selbststilisierung der Frauen? Sie nehmen gern für sich in Anspruch, mit Macht und Politik sachlicher, überlegter, besser umzugehen als Männer – eben wie Merkel. So habe es Nahles aber nicht gemacht, sondern nach der typisch ruppigen Art der Männer.

          Die Stereotype werden aber weder Frauen noch Männern, weder Nahles noch Merkel gerecht, sondern dienen allenfalls als Munition für geschickte Vermarktung, hier aber für die knallharte Intrige.

          Die SPD entpuppt sich so als Partei, die zwar gern den Anschluss an gendergerechte Identitätspolitik sucht, darüber aber vergessen hat, dass Solidarität, Gleichberechtigung oder Feminismus nicht als kulturelles Gedöns, sondern als materielle Leistungen gemeint waren – jedenfalls noch unter den Enkeln und Urenkeln von Bebel.

          Die Ironie der Geschichte ist, dass die Partei nun allen Ernstes eine Doppelspitze erwägt. Nur eine Frau – das geht gar nicht in dieser postmodernen SPD.

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          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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