https://www.faz.net/-gpf-a3xq2

Der Umgang mit der Pandemie : Weder Brennpunkte noch Hotspots

Grundschüler auf dem Weg in ihre Klassen (Symbolbild) Bild: dpa

Wichtig bleibt, dass die Schulen sicher und offen bleiben. Ob Integration gelingt, zeigt sich nämlich nicht nur zu Hause, sondern auch dort.

          1 Min.

          Sichere Orte gibt es nicht. Aber es gibt überall die Möglichkeit, Risiken zu minimieren. Manche muss man in Kauf nehmen, wenn man noch frei leben will. Risiken sind dabei immer gegen andere Güter und Gefahren abzuwägen. Als Glück in der Pandemie hat sich erwiesen, dass Kinder offenbar kaum (schwer) erkranken können. Deshalb war es richtig und wichtig, die Schulen wieder zu öffnen. Und trotz wieder steigender Infektionszahlen deutet nichts darauf hin, dass sich hieran etwas ändert, auch wenn das Geschehen an Schulen noch keineswegs tiefgreifend erforscht ist.

          Es ist jedenfalls nicht nötig, wegen eines einzigen Falls gleich ganze Einrichtungen dichtzumachen und gleich Hunderte Schüler, Eltern und Lehrer in Quarantäne zu schicken. Man kann – und muss – auch hier verhältnismäßig, also angemessen vorgehen.

          Dass die Schulen offen bleiben, ist nicht nur eine bildungspolitische Notwendigkeit. Ein Rückstand von einigen Monaten ist „aufzuholen“, wobei Lernstoff nicht mit Bildung zu verwechseln ist. Schwerer wiegt, dass die Kluft zwischen den Schülern größer zu werden droht – und die Corona-Pandemie damit wie in anderen Bereichen auch eben nicht als „Gleichmacher“ wirkt, sondern bestehende Unterschiede noch verstärkt oder besonders sichtbar macht. Gerade wenn man bedenkt, dass es immer mehr (Brennpunkt-)Schulen gibt, an denen nicht nur ein, zwei Schüler, sondern ein gesamter Jahrgang kaum noch Deutsch spricht.

          Wichtig bleibt deshalb, dass Schulen möglichst weder Brennpunkte noch Hotspots werden. Gerade wenn wieder mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten müssen, wird es dort buchstäblich eng. Genauso wie man nicht zugleich ernsthaft arbeiten und sich wirklich um Kinder kümmern kann, ist Schule zu Hause kein Ersatz für die Schule als Ort des gemeinsamen Lernens und Lebens. Auch viele Erwachsene haben schließlich noch nicht einmal einen vernünftigen Heimarbeitsplatz.

          Die Lage an den Schulen muss deshalb weiter genau beobachtet werden. Corona-Ausbrüche müssen, wie anderswo auch, zügig und mit Augenmaß eingedämmt werden. Ob Integration gelingt und die Gesellschaft um der Freiheit willen zusammenhält, das zeigt sich nicht zu Hause, sondern auf der Straße, am Arbeitsplatz und nicht zuletzt schon in der Schule.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Wir werden nie wieder ein Lockdown machen“ Video-Seite öffnen

          Trumps Große Versprechen : „Wir werden nie wieder ein Lockdown machen“

          Der Bundesstaat Florida könnte für den Wahlausgang am 3. November eine wichtige Rolle spielen. In dem Bundesstaat gibt es große lateinamerikanische Bevölkerungsgruppen. Die kubanischen Amerikaner im Süden tendieren traditionell zu den Republikanern, die Puerto Ricaner in Zentralflorida eher zu den Demokraten.

          Topmeldungen

          Der BER ist fertig : Ein Wunder zur Unzeit

          Der neue Hauptstadtflughafen nimmt den Betrieb auf – 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich und acht Jahre nach Plan. Die Liste der Lehren aus dem Desaster ist lang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.