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Umfrage unter Deutsch-Türken : Angekommen, aber auf Distanz

  • -Aktualisiert am

Großer Wille zur Integration: Fußballfans während eines EM-Spiels der türkischen Nationalmannschaft Bild: Picture-Alliance

Wie denken die türkischen Einwanderer in Deutschland über Integration und Religion? Eine neue Umfrage offenbart starke Unterschiede zwischen den Generationen.

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          Detlef Pollack hat Erfahrung mit Umfragen zu Integration und Religion, er sehe meistens „sofort, was los ist“, sagt er. Doch die Umfrage unter 1200 Türkischstämmigen in Deutschland zum Thema habe ihn regelrecht verblüfft, der starken Ambivalenzen wegen, die darin zutage treten. Pollack ist Religionssoziologe.

          Er arbeitet im Exzellenzcluster Religion und Politik der Universität Münster und hat gemeinsam mit Olaf Müller, Gergely Rosta und Anny Dieler die Studie entwickelt. Einerseits sind die Befragten eindeutig in Deutschland „angekommen“. Andererseits fehlt es ihnen an Anerkennung.

          Sie fühlen sich diskriminiert, als Bürger 2. Klasse. Die befragten Mitglieder der ersten Generation leben durchschnittlich seit 31 Jahren in Deutschland. 40 Prozent aller Befragten sind hier geboren, 28 Prozent sind deutsche Staatsbürger, acht Prozent besitzen die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft.

          Verblüffend positiv wirken die Auskünfte über die persönliche Lebenslage: 90 Prozent der Befragten fühlen sich in Deutschland sehr oder eher wohl. 87 Prozent fühlen sich Deutschland sehr eng oder eng verbunden; über ihr Verhältnis zur Türkei sagen das 85 Prozent. Ihr Wille zur Integration ist stark – 70 Prozent. Auf die Frage „Glauben Sie, dass Sie Ihren gerechten Anteil erhalten?“ antworten 44 Prozent ja, fünf Prozent sagen „mehr als gerechten Anteil“.

          Große Diskrepanz zwischen Ost und West

          Damit gleichen sie annähernd den befragten Westdeutschen. Diese empfinden zu 49 Prozent, dass sie gerecht teilhaben. Die Ostdeutschen jedoch fühlen sich nur zu 24 Prozent gerecht und zu sieben Prozent „mehr als gerecht“ bedacht. „Sehr positiv“ ist die Haltung der Befragten zu Menschen deutscher Herkunft (41 Prozent) und zu Christen (35 Prozent). Gewisse Vorbehalte lassen die Antworten auf die Frage nach der Beurteilung von Atheisten und Juden ahnen; die Forscher aus Münster sprechen von einer erkennbaren „latenten Abwehrhaltung“, die Konfliktpotential bergen könnte.

          Die Antworten auf die Frage, was Einwanderer tun sollten, um in Deutschland gut integriert zu sein, lassen an Eindeutigkeit nicht zu wünschen übrig: Deutsch lernen (90 Prozent), die Gesetze beachten (84 Prozent), gute Kontakte zu Deutschen haben (76 Prozent). Das werden Deutsche wohl ähnlich raten oder fordern. „Mehr von der deutschen Kultur übernehmen“ (39 Prozent), sich im Kleidungsstil anpassen (33 Prozent) oder die Staatsbürgerschaft annehmen (32 Prozent) rangieren vergleichsweise hinten.

          Dramatisch verbessert haben sich im Vergleich der ersten zur zweiten und dritten türkisch-deutschen Einwanderergeneration Bildungserfolge, Sprachkenntnisse und Kontakte zu Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft: Besitzen 40 Prozent der Angehörigen der ersten Einwanderergeneration keinen Schulabschluss, so sind es unter denen der zweiten und dritten Generation nur noch 13 Prozent.

          Moschee-Besuch nimmt ab

          Hatte die erste Generation nur zu 47 Prozent gute oder sehr gute Deutschkenntnisse, so sagen 94 Prozent der zweiten und dritten Generation das über sich. Enge Kontakte zu Menschen deutscher Herkunft hatten in der ersten Generation nur 47 Prozent – aber 74 der zweiten und dritten Generation. Erstaunlich sind die Antworten auf die Fragen nach der Religion.

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          Der Moschee-Besuch hat bei den türkischstämmigen Einwanderern der zweiten und dritten Generation ebenso nachgelassen (von 32 auf 23 Prozent) wie das persönliche Gebet, zu dem Muslime fünfmal am Tag aufgerufen sind (von 55 auf 35 Prozent). Was aber die Selbsteinschätzung angeht, bezeichnen sich mehr Angehörige der zweiten und dritten Generation als tief, sehr oder eher religiös als die der ersten (72 zu 62 Prozent). Das verstehen die Forscher als Zeichen, dass Religion zum „Identitätsmarker“ geworden ist.

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