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Umfrage : Mehrheit der Deutschen bedauert das Jamaika-Aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Nacht von Sonntag auf Montag mit Vertretern der Union Bild: Matthias Lüdecke

Hat sich Christian Lindner verkalkuliert? Für den Abbruch der Sondierungsgespräche bekommt die FDP laut der jüngsten Meinungsumfrage von den Wählern vor allem eines: Kritik.

          Von Freude kann keine Rede sein. Das spektakuläre Ende der Sondierungsgespräche, eingeleitet von FDP-Parteichef Christian Lindner am späten Sonntagabend, stößt unter den Deutschen auf wenig Begeisterung.

          Einer aktuellen Umfrage von infratest dimap für die ARD zufolge bedauern 57 Prozent der Deutschen, dass die Jamaika-Koalition nicht zustande gekommen ist. Besonders groß ist die Enttäuschung unter den Anhängern aller vier beteiligten Parteien. Rund 70 Prozent der Befragten, die CDU/CSU, FDP Und Grünen angehören, bedauern den Ausgang der Gespräche. Knapp jeder dritte befragte Deutsche begrüßt, dass Jamaika gescheitert ist. Dabei bewertet nur unter den Anhängern der AfD eine Mehrheit (von 71 Prozent) den Abbruch der Verhandlungen als positiv.  Selbst bei der SPD und der Linken sind ist es eine Minderheit von 38 beziehungsweise 39 Prozent.

          Dabei weisen die meisten Befragten der FDP die Hauptverantwortung für das Scheitern der Gespräche zu. Jeder Dritte tut das. Der CSU weist knapp jeder Fünfte die Hauptlast zu. Die Grünen sehen 15 Prozent als Hauptschuldigen, die CDU neun Prozent.

          Wenn der Plan der FDP war, mit ihrem Rückzug sich mehr Rückhalt unter den Deutschen zu verschaffen, so scheint dieser Plan bislang nicht aufzugehen. Wenn am nächsten Sonntag eine Neuwahl stattfände, würde das Ergebnis der Umfrage zufolge nahezu so ausfallen wie bei der Bundestagswahl am 24. September dieses Jahres. Union und SPD würden tendenziell zulegen (je ein Prozent), AfD und FDP leicht verlieren (je ein Prozent). Was die Zufriedenheit mit ihrer Arbeit angeht, mussten die führenden deutschen Politiker allesamt Verluste hinnehmen. Mit weitem Abstand am stärksten trifft es den FDP-Parteivorsitzenden. Christian Lindner sehen derzeit nur noch 32 Prozent der Befragten positiv. Moderater fallen die Verluste aus bei Angela Merkel (minus 3 Prozent), Cem Özdemir (-5 Prozent), Martin Schulz (-3 Prozent) und Horst Seehofer (- 1 Prozent).

          Die Kanzlerin führt trotz des Jamaika-Debakels weiterhin die Beliebtheitsskala an. 54 Prozent der Deutschen sind mit ihr zufrieden. Eine abermalige Legislaturperiode mit ihr kann sich nach wie vor eine Mehrheit der Deutschen mit ihr vorstellen. 58 Prozent fänden eine weitere Kanzlerschaft von ihr „gut“ oder „sehr gut“. Der Trend zeigt aber abwärts. Vor allem unter den Anhängern der Union ist sie unumstritten. 92 Prozent setzen auf sie. Bemerkenswert ist auch ihr Rückhalt unter den Grünen. Zwei Drittel sprechen sich dafür aus, dass sie weiter die Geschicke Deutschlands leitet.

          Eine überzeugende Alternative zu Jamaika sehen die Deutschen kaum. Die Neuauflage einer großen Koalition aus Union und SPD können sich nur 39 Prozent gut vorstellen. Auch mögliche Minderheitsregierungen können keine absolute Mehrheit der Deutschen begeistern. Am ehesten können sich die Befragten ein schwarz-grünes Bündnis vorstellen (42 Prozent), gefolgt von Schwarz-Gelb (39 Prozent) und Rot-Rot-Grün (31 Prozent). Generell stehen die Deutschen einer Minderheitsregierung aber skeptisch gegenüber. Vor die Wahl gestellt vor einer Premiere dieser Regierungsform und Neuwahlen, sprechen sich 62 Prozent für Neuwahlen aus.

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