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Allensbach-Studie : Die Rückkehr der FDP

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Starke Ergebnisse bei Landtagswahlen: Franktionsvorsitzende der Hamburger FDP Katja Suding (links) und die Vorsitzende der Bremer FDP Lencke Steiner Bild: dpa

Bei der Bundestagswahl 2013 sank der Stern der FDP. Die AfD war drauf und dran die FDP abzulösen. Knapp zwei Jahre danach, in der Mitte der Legislaturperiode, sieht das Bild völlig anders aus. Das ergibt eine Umfrage des Allensbach-Instituts.

          Die Stabilität des Rückhalts für die große Koalition lässt fast die Dramatik der vergangenen Bundestagswahl vergessen, bei der zwei ganz unterschiedliche Parteien nur knapp an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert sind. Der Fall der FDP von 14,6 Prozent bei der Bundestagswahl 2009 auf 4,8 Prozent war extrem, und im ersten Jahr danach schien es wie das endgültige Aus. Über das ganze Jahr 2014 kamen die Liberalen nicht mehr auf die Beine.

          Bei den Zweitstimmenwahlabsichten lagen sie die meiste Zeit unter 5 Prozent, teilweise bei nur 3 Prozent. Ganz anders die AfD, die im Verlauf des vergangenen Jahres immer stärker wurde und bis auf 7,5 Prozent anstieg. Es wirkte, als sei die Partei nicht zu stoppen und ein sicherer Kandidat für den Einzug in den nächsten Bundestag.

          Jetzt, in der Mitte der Legislaturperiode, sieht das Bild völlig anders aus. Die FDP ist nach bemerkenswert starken Ergebnissen bei Landtagswahlen auch bundesweit wieder im Aufwind. Die AfD, die noch im Frühjahr stabil bei 6 Prozent notierte, ist nach ihren internen Querelen dagegen auf 3,5 Prozent abgesunken. 15 Prozent der Bürger ist es wichtig, dass die FDP im nächsten Bundestag wieder vertreten ist; nur 5 Prozent sagen dies bei der AfD.

          FDP-Rückhalt in Westdeutschland

          Dabei trennen sich insbesondere in Bezug auf die FDP Ost und West: In Westdeutschland ist es 17 Prozent der Bürger wichtig, dass die Liberalen wieder in den Bundestag einziehen, in Ostdeutschland nur 5 Prozent. Dagegen hat die AfD in Ostdeutschland tendenziell mehr Rückhalt: Hier wünschen sich 7 Prozent den Einzug der AfD in das Parlament, in Westdeutschland 5 Prozent.

          Wie unterschiedlich derzeit die Ausgangsbasis für die beiden Parteien ist, zeigen auch die weiten wie die engeren Potentiale. Das weite Potential umfasst alle, die sich vorstellen können, bei einer der nächsten Wahlen – sei es auf Bundes-, Landes- oder kommunaler Ebene – eine Partei zu unterstützen.

          Dieses weite Potential liegt für die FDP zurzeit bei 15 Prozent, für die AfD bei 8 Prozent. Das weite Potential der FDP rekrutiert sich überdurchschnittlich aus Westdeutschland, der älteren Generation und den politisch interessierten Bevölkerungskreisen, das der AfD tendenziell überdurchschnittlich aus Ostdeutschland und bei den Unter-30-Jährigen.

          AfD überraschend schwach

          Das engere Potential umfasst jene, die grundsätzlich bereit sind, eine Partei bei der nächsten Bundestagswahl mit ihrer Erst- oder Zweitstimme zu unterstützen. Hier erreicht die FDP zurzeit 8 Prozent, die AfD 5 Prozent. Beides ist noch kein Garant für das Überspringen der 5 Prozenthürde. Vor der Bundestagswahl von 2013 konnten sich beispielsweise zwischen 6 und 11 Prozent vorstellen, die FDP zu wählen, zwischen 6 und 9 Prozent die AfD.

          Auch die engen Potentiale werden in der Regel nie vollständig ausgeschöpft. Besonders die Grünen, aber auch die SPD schöpfen ihre engeren Potentiale im Allgemeinen nur begrenzt aus, am besten gelingt dies seit längerem der CDU/CSU.

          Ost- Westunterschied: Die potentiellen Wähler der AfD und FDP.

          In dem derzeitigen politischen Umfeld überrascht die Schwächung der AfD, müssten ihr doch die aktuellen Kontroversen und Probleme in die Hände spielen. Die anhaltenden Debatten über die Griechenland-Hilfen und die Probleme, den wachsenden Flüchtlingszustrom zu bewältigen, irritieren einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung. Zweifel an der Gemeinschaftswährung und eine kritische Haltung zur Zuwanderung waren Kernthemen der AfD. Sie prägen das Profil der AfD nach wie vor, jedoch heute weitaus weniger als noch vor einem Jahr.

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