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Sicherer Karneval : Schunkeln ohne Missverständnis

2500 Polizisten sollen am Donnerstag im Einsatz sein – doppelt so viel wie bisher. Bild: dpa

Mit einem umfassenden Sicherheitskonzept zum Karneval reagiert Köln auf die Übergriffe in der Silvesternacht. Ein Masterplan soll für friedliche Tage sorgen.

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          Das Podium für die Pressekonferenz zum Kölner Karnevals-Sicherheitskonzept ist ein beeindruckendes Verantwortungspanorama: Es hat zehn Plätze. Am Montagmittag füllen sie sich schnell. Der neue Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies hat seinen leitenden Polizeidirektor mitgebracht, vom Festkomitee Kölner Karneval ist Rosenmontagszugleiter Christoph Kuckelkorn gekommen, der Leiter der Berufsfeuerwehr, Johannes Feyrer, vertritt auch die vielen Kölner Hilfsorganisationen, sogar die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) und die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) haben jeweils Geschäftsführer geschickt und so weiter und so fort. „Die ganze Mannschaft ist angetreten“, sagt die parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Das dokumentiert: Wir nehmen die Ereignisse in der Silvesternacht sehr ernst.“ Alle seien sich einig, dass sich solche Ereignisse in Köln und anderen Städten nicht wiederholen dürfen. „Die Weltöffentlichkeit wird sehr genau hinsehen, wie Köln diese Herausforderung managt.“

          Köln : Mehr als 2.000 Polizisten sollen Karneval sicher machen

          Reiner Burger
          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Vor etwas mehr als vier Wochen hatten sich mehr als 1000 Männer, die ihrem Aussehen nach aus dem Nahen Osten und Nordafrika stammten, auf dem Bahnhofsvorplatz in Köln versammelt. Immer wieder hatten größere Gruppen von Männern Frauen und Mädchen umzingelt, sie sexuell belästigt und bestohlen. Rund 1000 Strafanzeigen sind seither bei der Polizei eingegangen. Mit einer Vielzahl von Maßnahmen für den Straßenkarneval will Köln nun versuchen, „den Schaden wiedergutzumachen, den das Sicherheitsgefüge dieser Stadt an Silvester leider genommen hat“, formuliert Stadtdirektor Guido Kahlen.

          Masterplan: „Friedlicher Karneval“

          Das soll durch eine Art Masterplan „Friedlicher Karneval“ gelingen, der von der Prävention über die Gefahrenabwehr bis hin zur Strafverfolgung alles umfasst, was kommunale und staatliche Behörden leisten müssen. Die Aktion begann schon vor ein paar Tagen mit der vom Festkomitee erarbeiteten Broschüre „Herzlich willkommen zum Kölner Karneval“ – eine in Deutsch, Englisch, Französisch, aber auch Arabisch abgefassten „Gebrauchsanweisung“ für die „tollen Tage“, die von der Stadt mittlerweile auch in den Flüchtlingsheimen verteilt wurde. Mit Hilfe dieser und weiterer Broschüren sollen Missverständnisse und überzogene Erwartungen bei Themen wie „Schunkeln“ oder „Bützje“ im Keim erstickt werden.

          Die Stadt Köln wird neben ihren 90 Ordnungskräften 300 Mitarbeiter mehr als sonst im Karneval im Einsatz haben. KVB, AWB und alle Kölner Hilfsorganisationen mobilisieren gemeinsam noch einmal 2000 Helfer, die auch als Ansprechpartner im Einsatz sind und auch sicherstellen sollen, dass die Polizei schnell herbeigerufen wird, wenn es notwendig ist. Stark frequentierte Orte wie die Domplatte und bestimmte „dunkle Ecken“ werden mit zusätzlichen mobilen Lichtanlagen ausgeleuchtet, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Jecken zu erhöhen. Am Roncalliplatz wird es einen „Frauen Security Point Köln“ geben, wo erfahrene Beraterinnen Opfern von sexuellen Übergriffen Hilfe und Beratung anbieten.

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