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Russische Lehrerin erzählt : „Die ganze junge Generation wird zum Krieg erzogen“

Ihre Schüler nahmen sie mit dem Handy auf. Nun lebt die russische Lehrerin Maria Kalinitschewa in Berlin. Bild: Julia Zimmermann

Eine russische Lehrerin sagt in der Schule die Wahrheit über den Krieg gegen die Ukraine. Sie wird dafür von Schülern, Eltern und Kollegen angefeindet, vom Geheimdienst verhört. Dann flieht sie nach Berlin.

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          Seit etwa drei Wochen ist Maria Kalinitschewa in Berlin. Es ist das erste Mal, dass die 33 Jahre alte, zierliche Russin im Ausland ist. Ein Zurück in ihre Heimat wird es wohl nicht geben. Der Ausgangspunkt ihrer Reise liegt mehr als 8000 Kilometer entfernt. Es ist Cholbon, ein kleiner Ort mit rund zweieinhalbtausend Einwohnern in der Region Transbaikalien im Fernen Osten Russlands. Kalinitschewa ist dort aufgewachsen, bis sie 17 war, erst vor zwei Jahren ist sie dorthin zurückgekehrt. Seitdem hat sie als Englischlehrerin in der örtlichen Schule gearbeitet. Die wird von 290 Schülerinnen und Schülern besucht, rund 150 lernten Englisch bei Kalinitschewa. Ihre Mutter arbeitet schon lange an der Schule, sie unterrichtet russische Sprache und Literatur.

          Markus Wehner
          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Am 24. Februar schauen sich Tochter und Mutter im unabhängigen, mittlerweile verbotenen Fernsehsender Doschd an, wie Russland die Ukraine angreift. Maria Kalini­tschewa durchforstet in den nächsten Tagen die sozialen Medien, um sich ein eigenes Bild vom Krieg zu machen. Und kommt zu dem Schluss, dass Russland das Nachbarland überfallen hat, weil es ihm einen unabhängigen Weg in Richtung Europa nicht zugesteht.

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