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Triage : Niemand darf „abgeschaltet“ werden

An einem „Triage check point“ in Monza Bild: AP

Wer entscheidet über Leben und Tod?. Nach welchen Maßstäben? Ein Verfahren muss der Gesetzgeber regeln. Klar ist: Jeder Mensch ist gleich viel wert.

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          Wer entscheidet über Leben und Tod? Nach welchen Maßstäben wird ein Mensch gerettet, der andere nicht? Triage ist eines der Reizwörter der Corona-Debatte. Zu den Schreckensbildern der Pandemie gehören überfüllte Krankenhäuser, in denen die Ärzte nicht mehr alle Patienten versorgen können. Deutschland ist davon in der ersten Welle verschont geblieben; jetzt sind volle Intensivstationen vielerorts Realität. Dabei ist die Triage bei Unfällen keine Unbekannte. Auch jetzt können, auch jenseits von Sachsen, mitunter nicht alle Patienten angemessen versorgt werden.

          Doch hütet man sich in der Regel (noch), das Wort offiziell in den Mund zu nehmen. Denn es muss jeder Anschein von Willkür vermieden werden. Wenn der Gesetzgeber über alle wesentlichen Fragen befinden muss, dann doch wohl auch über Kriterien, die über Leben und Tod entscheiden. Das Verfassungsgericht hatte eine Pflicht des Gesetzgebers zum Tätigwerden in einem Eilverfahren abgelehnt, als die Lage noch nicht so dramatisch war. Heute sieht es anders aus.

          Doch auch wenn es noch schlimmer kommen sollte, ist es in der Regel nicht so, dass zwei Patienten genau gleichzeitig vor nur einem Beatmungsgerät stehen. Maßstäbe gibt es im Übrigen schon. So geht es im Katastrophenfall bei der Erstversorgung um die Überlebensfähigkeit. Niemand aber darf – etwa wegen seines Alters – „abgeschaltet“ werden. Gerade in der Not muss sich die Humanität einer Gemeinschaft bewähren.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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