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„Überdrehter Gotteskrieger“ : Scharfe Kritik an Todenhöfer nach Attacke gegen Gauck

  • -Aktualisiert am

Publizist, Bestsellerautor und ehemaliger Burda-Vorstand: Jürgen Todenhöfer Bild: Roeder, Jan

In einer Fotomontage auf Facebook stellte er den Bundespräsidenten als „Gotteskrieger“ dar. Nicht nur aus der Union kassiert der Buchautor und frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer dafür heftige Kritik.

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          Der Publizist und ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Todenhöfer hat mit seinem Angriff auf Bundespräsident Joachim Gauck empörte Reaktionen in der Union auslöst. Todenhöfer hatte vor zwei Tagen auf seiner Facebookseite eine Fotomontage veröffentlicht, die das Gesicht des Bundespräsidenten in einem Bild von Al-Qaida-Chef Ayman al Zawahiri zeigt. Darüber steht: „Bundespräsident Gauck ruft erneut zum heiligen Krieg auf!"

          Joachim Gauck als Dschihadist und Terrorist? Die Fotomontage von Jürgen Todenhöfer auf seiner Facebook-Seite

          Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) übte scharfe Kritik. „Wer zu solchen Mitteln greift, dem sind wohl die Argumente ausgegangen. Das Thema hat eine ernsthafte Debatte verdient", sagte sie der „Bild“-Zeitung. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) bezeichnete Todenhöfer als „politischen Geisterfahrer“. Karl-Georg Wellmann, Außenpolitikexperte der CDU, riet Todenhöfer, sich in fachärztliche Behandlung zu begeben.

          „Er sollte endlich aus der CDU austreten“

          Roderich Kiesewetter, Obmann für Außenpolitik in der Unions-Bundestagsfraktion, forderte Todenhöfer auf, seine Partei zu verlassen. „Er gefällt sich in rhetorischen Figuren und in einer überheblichen Kritiksucht, ohne Fakten zu kennen. Er sollte deshalb Konsequenzen ziehen und endlich aus der CDU austreten“, sagte Kiesewetter dem „Handelsblatt“. Todenhöfer habe „jegliche Bodenhaftung und jeden Realitätsbezug“ verloren, seine Äußerungen seien „arrogant und herablassend“.

          Kritik kommt auch aus anderen Parteien. FDP-Chef Christian Lindner bezeichnete Todenhöfer als „völlig abgedreht und orientierungslos“, ein radikaler Pazifismus sei naiv. Die Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, Christina Lambrecht, kritisierte, dass Todenhöfer „nun nach Aufmerksamkeit heischt, indem er den Bundespräsidenten verunglimpft. Das entwertet jedes Argument“.

          Aus Sicht des stellvertretenden FDP-Chefs Wolfgang Kubicki sollte der Fall ein juristisches Nachspiel haben. „Ich rate der Staatsanwaltschaft, diesen Vorgang dringend zu prüfen, denn hiermit wird der Bundespräsident eines demokratischen Rechtsstaates in die Nähe von Terroristen gerückt“, sagte Kubicki. Laut Paragraph 90 des Strafgesetzbuches kann die Beleidigung des Bundespräsidenten mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden.

          Der Nahost-Experte Peter Scholl-Latour nahm Todenhöfer in Schutz. Man müsse auch Spaß verstehen können, sollte aber dann zur Tagesordnung zurückkehren, sagte er „Bild“. Der Europaexperte der Linksfraktion im Bundestag, Andrej Hunko, twitterte: „Ich finde, Jürgen Todenhöfer hat recht, wenn er Herrn Gauck als ,Sprachrohr der Rüstungsindustrie' und ,Sicherheitsrisiko' bezeichnet.“

          „Wer stoppt diesen überdrehten Gotteskrieger?“

          Anlass für Todenhöfers Fotomontage war die Forderung des Bundespräsidenten, Deutschland müsse mehr militärisches Engagement zeigen. Der Publizist warf Gauck auf Facebook vor, er erinnere immer mehr an einen kriegsbegeisterten Militärpfarrer. „Wie ein Irrer" werbe er alle paar Monate für eine deutsche Kriegsbeteiligung. Die Welt brauche „nicht mehr Kriege, sondern weniger Kriege“. „Wer stoppt diesen überdrehten Gottenkrieger?“

          In der „Berliner Zeitung“ verteidigte Todenhöfer seine Aussagen und die Montage. Er wolle eine breite gesellschaftliche Diskussion anstoßen, ob Deutschland sich häufiger an Kriegen beteiligen solle. Gauck setze den guten Ruf Deutschlands aufs Spiel. „Auch humanitäre Kriege, für die er offenbar plädiert, haben zur Folge, dass 90 Prozent der Opfer Zivilisten, Frauen und Kinder sind. Darauf will ich hinweisen“, sagte Todenhöfer.

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