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TV-Duell in Bayern : Söder und Hartmann im Modus „Attacke“

  • Aktualisiert am

Amtsinhaber gegen Herausforderer: Markus Söder (CSU, l.) und Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann Bild: dpa

Tiefe Gräben oder nur die übliche Wahlkampf-Abgrenzung? Der CSU-Regierungschef Markus Söder und Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann haben sich im TV-Duell teilweise heftig duelliert. Immerhin teilen sie eine gemeinsame Leidenschaft.

          Zweieinhalb Wochen vor der Bayern-Wahl haben sich Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Grünen-Spitzenkandidat Ludwig Hartmann ein kämpferisches TV-Duell geliefert. Eine Stunde lang stritten die beiden über mindestens ein Dutzend Themen, etwa über Wohnungs-, Umwelt-, Asyl- und Bildungspolitik.

          Hartmann attackierte Söder zum Beispiel wegen des hohen Flächenverbrauchs im Freistaat. „Man braucht eine Politik, die denkt, bevor der Bagger kommt“, forderte Hartmann. Söder hielt den Grünen im Gegenzug eine „Verbotskultur“ vor: Diese wollten immer nur „alles verbieten und vorschreiben“. In der Asylpolitik forderte Hartmann mehr „Menschlichkeit“, etwa ein Bleiberecht für gut in den Arbeitsmarkt integrierte Ausländer. Dadurch, so der Grüne, gelinge die Integration am besten, wenn der Ausländer zum Kollegen würde, der mit anpackt. Söder verwies dagegen auf eine notwendige Balance zwischen Humanität und Ordnung – und warf den Grünen auf Bundesebene vor, die Abschiebungen in vermeintlich sichere Drittstaaten zu verhindern. „Wer Straftaten begeht, der muss in sein Heimatland zurück“, forderte Söder unter anderem.

          Söder warnte in dem TV-Duell vor Verhältnissen wie in Berlin, wo sich die Koalitionspartner täglich zerfleischten. Jeder müsse sich also bei der Landtagswahl überlegen, ob er wirklich sieben Parteien im Landtag haben wolle und damit wolle, dass Bayern „völlig instabil“ werde, argumentierte er. Hartmann hielt dagegen, es sei doch CSU-Chef Horst Seehofer persönlich, der in Berlin für Chaos und Instabilität sorge.

          Schwarz-Grün wie bei den Nachbarn in Baden-Württemberg?

          Bei dem im Wahlkampf besonders intensiv diskutierten Thema Wohnungsnot hielt Hartmann der CSU vor, die Lage durch ihre Politik verschärft zu haben. So habe der Freistaat in München Grundstücke meistbietend verkauft, was die Preise der auf den Grundstücken entstehenden Wohnungen in die Höhe getrieben habe. Hartmann forderte mehr staatliches Geld, um den Mietwohnungsbau zu fördern. „Ich erwarte bei der Wohnungspolitik wirklich einen starken Staat, der auch mal durchgreift.“ Söder hielt dem Herausforderer von den Grünen vor, vor allem München im Blick zu haben und die Situation außerhalb der Landeshauptstadt zu übersehen. In Bayern müsse sich auch die Eigentumsquote erhöhen, dafür habe seine Landesregierung mit einem eigenen bayerischen Baukindergeld Impulse gegeben. Von Experten wird dieses allerdings kritisiert, weil es nur den Besserverdienden zugute komme.

          Söder und Hartmann schlossen eine schwarz-grüne Koalition nach der Landtagswahl nicht aus. „Wir wollen Bayern gestalten und zum Guten verändern“, sagte Hartmann. Mit den Grünen könne man deshalb jederzeit über eine ökologische und gerechte Politik reden. „Wir spielen aber nicht jedes Spiel mit.“ Söder schloss ein Bündnis ebenfalls nicht aus, betonte allerdings, dass die beiden Parteien doch in vielen Punkten sehr weit voneinander entfernt seien. Zum Schluss immerhin entdeckten beide trotz Differenzen über die Schaffung eines dritten Nationalparks die gemeinsame Leidenschafts für das Wandern.

          Es war ein teilweise frisches TV-Duell mit viel Streit, aber in angenehmer Tonlage: Markus Söder (l.) und Ludwig Hartmann in einem Fernsehstudio des Bayerischen Rundfunks

          Die gut einstündige Sendung war das einzige TV-Duell vor der Wahl am 14. Oktober. Es war das erste Mal, dass der Bayerische Rundfunk keinen SPD-Kandidaten dazu eingeladen hatte, sondern einen Grünen-Politiker. Der Sender begründete dies damit, dass die Grünen in den jüngsten Umfragen klar zweitstärkste Kraft waren – mit mehreren Prozentpunkten Abstand vor der SPD. Die CSU muss nach allen aktuellen Umfragen mit dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit rechnen.

          In einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die „Bild“-Zeitung kommt die CSU auf 34 Prozent. Die Grünen liegen auf Platz zwei mit 17 Prozent, gefolgt von der bislang nicht im Landtag vertretenen AfD mit 14, der SPD mit 11 und den Freien Wählern mit 10 Prozent. Die FDP würde am 14. Oktober den Einzug ins Parlament mit 6 Prozent knapp schaffen, die Linke mit 4 Prozent dagegen nicht.

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