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Türkischer Islam-Verband : Laschet fordert Neuorganisation von Ditib

  • Aktualisiert am

Gespaltene Loyalität? Szene aus einer hessischen Ditib-Moschee Bild: dpa

Der größte Verband von Moscheen in Deutschland wird von türkischen Behörden gelenkt, Imame werden in der Türkei ausgebildet. Nun fordern deutsche Politiker mehr Distanz von Ditib zu Präsident Erdogan und drohen mit Konsequenzen.

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          Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Armin Laschet hat Zweifel an der Unabhängigkeit des türkisch-islamischen Verbandes Ditib geäußert. Der Verband müsse „sich völlig neu organisieren und auch unabhängig machen“, sagte Laschet am Samstag dem Deutschlandfunk in Köln. Auf Dauer könne „Partner des deutschen Staates beispielsweise beim Religionsunterricht nur jemand sein, der nicht von einer ausländischen Regierung abhängig ist“, sagte Laschet. Die Ditib ist eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde verbunden.

          Es sei jetzt die Frage, wie sehr über diese Moscheegemeinden türkische Innenpolitik gemacht werde, sagte Laschet weiter. Es gebe dazu „viele beunruhigende Berichte“ der letzten Wochen. Deshalb finde er es richtig, die Beziehungen erneut auf den Prüfstand zu stellen. Hier einmal innezuhalten, so wie das die Regierungen beispielsweise in Hessen und in Rheinland-Pfalz gemacht hätten, „das halte ich für richtig“, sagte er.

          Auch andere Politiker von Union und SPD fordern eine klare Distanzierung des Verbandes Ditib von der Politik Erdogans. „Eine Zusammenarbeit mit Ditib als dem größten deutschen Moscheenverband kann nur fortgesetzt werden, wenn sich der Verband nicht von dem türkischen Präsidenten und der Regierung als unkritisches Sprachrohr instrumentalisieren lässt“, sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), der „Welt“.

          Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) müsse ihre Eigenständigkeit unter Beweis stellen, „bevor weitere Kooperationsgespräche geführt werden“, erklärte Mayer. Die kirchenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Kerstin Griese sagte, sie „erwarte von Ditib, dass der Verband die Verhaftungswelle sowie die Einschränkungen von Demokratie und Meinungsfreiheit in der Türkei nicht rechtfertigt oder gar unterstützt“. Griese betonte: „Wir können nicht dulden, dass Erdogans Politik in deutsche Moscheegemeinden hineingetragen wird.“

          „Im Gespräch bleiben, notfalls ausweisen“

          Griese forderte, man müsse weiterhin „mit Ditib im Gespräch bleiben“. Schon deshalb, weil „Verbände wie Ditib die einzigen Gesprächspartner sind, die wir beim Thema Islam hier haben“. Doch ist es nach Ansicht von Griese „völlig falsch“, wenn man behaupte, „der Islam könne sich überhaupt nicht demokratisch repräsentativ organisieren“.

          Daher müssten auch die islamischen Verbände „an demokratischen Kriterien gemessen“ werden. „Gerade Ditib muss man kritische Fragen stellen, zumal wegen problematischer Freitagspredigten oder in den Fällen, in denen zu Hass und Gewalt aufgerufen wird. Da müssen notfalls auch Imame ausgewiesen werden.“

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