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Türkische Zeitungen in Deutschland : Keine Stimme mehr

Nicht mehr so attraktiv: Türkische Zeitungen im Kiosk-Regal Bild: Klein, Nora

Anfang März hat die „Hürriyet“ ihre Zentralredaktion für Deutschland in Frankfurt aufgelöst. Denn türkische Zeitungen leiden hierzulande unter Auflagenschwund und haben die jungen Leser verloren.

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          Die Nachricht ist mehr als eine Meldung aus der Medienwelt. Zum 1. März löst die türkische Zeitung Hürriyet ihre Zentralredaktion für Deutschland in Frankfurt auf. Ein Rückzug aus Deutschland und anderen Ländern Europas wird dieser Schritt nicht sein. Von diesem Freitag an werden Redakteure in Istanbul die Europa-Ausgabe erarbeiten.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Sie sind dann allein für die Berichte über die Türken in Deutschland verantwortlich, verstärkt will die Redaktion auf freie Mitarbeiter zurückgreifen. Gedruckt wird diese Europa-Ausgabe weiter in der modernen Druckerei von Hürriyet in Mörfelden-Walldorf nahe Frankfurt. Die 14 Mitarbeiter der Redaktion werden entlassen, über die Zukunft der anderen 42 aus dem Anzeigengeschäft und dem Vertrieb wird noch verhandelt. Die 56 haben diese Entscheidung der türkischen Dogan-Gruppe eine Woche vor der Schließung der Büros erfahren.

          Die Gesellschafter der Dogan Media International GmbH begründen die Entscheidung mit der Krise, die alle Printmedien erfasst hat. Auflage und Anzeigenerlöse gehen zurück, die Kosten für Papier und Vertrieb aber steigen. Die Konkurrenz durch das Internet setzt auch Hürriyet zu. „Wir müssen sparen und die Kosten senken“, heißt die Vorgabe von Sevda Boduroglu, der Geschäftsführerin der Dogan Media International GmbH.

          Alle Zeitungen leiden an Auflagenschwund

          Alle in Deutschland vertriebenen türkischen Zeitungen leiden unter Auflagenschwund, am stärksten traf es Hürriyet. In den neunziger Jahren hatte sie in Deutschland jeden Tag 10.3000 Exemplare verkauft, heute in ganz Europa noch 30.000, davon in Deutschland 20000. Als die Zeitung Sabah vor einem Jahrzehnt nach Deutschland kam, erreichte ihre Auflage 35.000 Exemplare.

          Bis heute ist sie trotz einer Redaktion nahe Frankfurt auf weniger als ein Zehntel davon gesunken. Lediglich Zaman, die sich als einzige türkische Abonnementzeitung auf eine höhere Leserbindung verlassen kann und zudem eine Zeitung der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen ist, erfreut sich mit 28.500 einer stabilen Auflage. Mehr als alle anderen türkischen Medien in Deutschland entspricht sie in Sprache, Formaten und Layout einer Qualitätszeitung.

          In den vergangenen Jahren hat die Dogan-Gruppe bereits die Redaktionen für zwei Zeitungen in Deutschland geschlossen, für Milliyet und die Sportzeitung Fanatik. Als Frage der Zeit gilt, wann Sabah folgt. Es ist kein Geheimnis, dass die Zeitung, die der türkischen Regierungspartei nahesteht, nur mit Unterstützung aus der Türkei betrieben werden kann.

          Lebensmittelpunkt liegt in Deutschland

          Die türkischen Zeitungen können sich der weltweiten Zeitungskrise nicht entziehen. „Stärker als andere sind türkische Zeitungen in Deutschland aber wegen der Sprachbarriere bei türkischen Jugendlichen betroffen und weil sich diese mehr für Deutschland interessieren als für die Türkei“, sagt Boduroglu. Allgemeinplatz ist, dass sich junge Türken in Deutschland von der ersten Generation unterscheiden. Eine weitere Lesergruppe ist weggebrochen, seit in Deutschland keine Bräute mehr aus Anatolien verheiratet werden, die nicht Deutsch können.

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