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Gegen Offensive in Nordsyrien : Große kurdische Demonstration in Köln geplant

  • Aktualisiert am

Pro-kurdische Kundgebung am Mittwoch in Hamburg Bild: dpa

Die türkische Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG sorgt in Deutschland für Spannungen. Die Organisation Nav-Dem rechnet am Samstag mit Tausenden Demonstranten. Und Islamverbände fürchten um die Sicherheit ihrer Gläubigen.

          Der kurdische Verband Nav-Dem ruft für Samstag zu einer Großdemonstration in Köln gegen die türkische Militäroffensive in Nordsyrien auf. Nav-Dem habe 15.000 Teilnehmer angemeldet, hieß es von der Polizei, man rechne mit einem Großeinsatz. Nav-Dem steht laut Verfassungsschutz der auch in Deutschland verbotenen kurdischen Terrororganisation PKK nahe.

          Im September 2017 waren bei einem Festival der Organisation in Köln verbotenerweise Fahnen mit dem Konterfei des in der Türkei inhaftierten PKK-Anführers Abdullah Öcalan gezeigt worden. Das hatte zu erheblicher Verärgerung der türkischen Regierung geführt. Anfang November löste die Polizei in Düsseldorf einen kurdischen Protestzug auf, als die Demonstranten begannen, Öcalan-Fahnen zu schwenken.

          Die Türkei geht seit Samstag in Afrin gegen die kurdischen „Volksverteidigungseinheiten“ (YPG) vor, die sie wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation betrachtet. Auch am Mittwoch lieferten sich die türkische Armee und die kurdische YPG-Miliz entlang der Grenze heftige Gefechte, ohne dass türkische Soldaten Bodengewinne gemacht hätten.

          Kurdische Siedlungen im Kanton Afrin wurden von der türkischen Luftwaffe und mit Artillerie beschossen. Der Gesundheitsrat des Kantons hat erklärt, dass bisher 35 Zivilisten getötet und 106 verwundet worden seien.

          Übergriffe auf Moscheegemeinden

          Seit der türkischen Militäroffensive gegen kurdische Milizen in Syrien gibt es auch in Deutschland Spannungen. Kurdische Demonstranten protestierten an mehreren Orten gegen die Militäroperation. Nach mehreren Angriffen auf türkischstämmige Moscheegemeinden haben Islamverbände die Sicherheitsbehörden aufgerufen, islamische Gotteshäuser und Besucher in Deutschland zu schützen.

          Die jüngsten politisch motivierten Vorfälle etwa in Minden und Leipzig seien besorgniserregend, teilte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) am Mittwoch in Köln mit. In Minden hatten Unbekannte Fenster am Sitz des türkisch-islamischen Ditib-Verbands eingeworfen, in Leipzig wurde eine Ditib-Moschee Ziel eines Farbanschlags.

          „Wir verurteilen diese Anschläge aufs Schärfste und rufen alle Menschen zu Ruhe und Besonnenheit auf“, erklärte der KRM. In der Arbeitsgemeinschaft sind die vier großen Islam-Dachorganisationen Ditib, Islamrat, Zentralrat der Muslime und Verband der Islamischen Kulturzentren zusammengeschlossen. Es sei besorgniserregend, dass ein ausländischer Konflikt nach Deutschland hineingetragen werde, hieß es in der KRM-Erklärung.

          Der Verband verwies auch auf gewalttätige Auseinandersetzungen auf dem Flughafen in Hannover; dort hatten sich am Montag kurdische Demonstranten und die Fluggäste einer türkischen Airline eine Massenschlägerei geliefert.

          Der KRM rief die Muslime auf, sich nicht provozieren zu lassen und mit den Sicherheitsbehörden zu kooperieren, um alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

          In Frankfurt am Main demonstrierten am Mittwoch Befürworter und Gegner der türkischen Militäroffensive friedlich. Nach Polizeiangaben standen sich vor der Alten Oper rund 200 pro-türkische und knapp 50 pro-kurdische Demonstranten gegenüber. Die Polizei war mit großem Aufgebot vor Ort, um Zusammenstöße beider Gruppen zu verhindern.

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