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Türken-Kurden-Konflikt : Kurz vor der Explosion

Kurdisches Fahnenmeer: Demonstranten am Samstag in Köln Bild: dpa

Der Krieg in Nordsyrien führt auch in Deutschland zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen türkischen und kurdischen Migranten. Das könnte erst der Anfang sein.

          7 Min.

          Zwei Männer stehen vor einem Dönerladen. Tausende Demonstranten laufen an ihnen vorbei, sie rufen: „Erdogan Terrorist, Erdogan Terrorist.“ Die mehrheitlich kurdischstämmigen Demonstranten fordern das Ende der Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien, die sich gegen die kurdische Armee richtet. Einer der Männer vor dem Imbiss, der sich selbst als Türke bezeichnet, knurrt, die Beschimpfungen gegen Erdogan seien eine Unverschämtheit. Der zweite Mann legt zwei Finger auf den Daumen, will dann den kleinen Finger und Zeigefinger heben. Er lacht, es soll ein Scherz sein. Was Grundschüler als Schweigefuchs kennen, ist auch der Gruß der „Grauen Wölfe“, einer türkisch-rechtsextremen Vereinigung. Es wäre eine Provokation, die leicht zur Eskalation führen könnte. Bevor es jemand bemerkt, schlägt ihm der andere auf die Hand. Er schimpft auf Türkisch, sagt ihm, er sei verrückt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Kleine Gesten reichen im Moment aus, um die angespannte Stimmung zwischen kurdischen und türkischen Migranten in Deutschland eskalieren zu lassen. Am Montag vor einer Woche kam es in Herne zu Ausschreitungen mit fünf Verletzten. Bei einer kurdischen Kundgebung mit etwa 350 Teilnehmern entzündeten junge Männer Nebelkerzen, attackierten zunächst einen Kiosk und dann ein türkisches Café – die kurdischen Demonstranten waren mit dem Gruß der „Grauen Wölfe“ provoziert worden. Am Mittwoch endete in Lüdenscheid eine kurdischen Mahnwache für einen türkischstämmigen Deutschen mit einem Messerangriff auf einen Mann; er wurde schwer verletzt. Eine Mordkommission und der Staatsschutz ermitteln. Der Täter konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden. Ebenfalls am Mittwoch versammelten sich in Bottrop in unmittelbarer Nähe einer kurdischen Kundgebung zahlreiche türkischstämmige Personen. Zunächst beschimpften und provozierten sich die Gruppen gegenseitig, dann flogen Steine. Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte danach: „Hier werden die Grenzen der Toleranz klar überschritten. Die Innenstädte Nordrhein-Westfalens sind nicht der Hinterhof der Türkei.“

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