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Schuldenkrise : Tsipras kommt nächsten Montag nach Berlin

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Nach Rom, Paris und Madrid ist Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras schon gereist – am nächsten Montagnachmittag will er nun auch die deutsche Hauptstadt besuchen. Bild: dpa

Acht Wochen nach seinem Amtsantritt reist Griechenlands Ministerpräsident Tsipras am nächsten Montag zum ersten offiziellen Besuch nach Berlin. Angela Merkel hat ihn ins Kanzleramt eingeladen.

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          Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kommt nächste Woche nach Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Tsipras bei einem Telefonat an diesem Montag eingeladen, teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. Merkel werde Tsipras am Montagnachmittag nächster Woche im Bundeskanzleramt empfangen. Der griechische Regierungschef hatte sich zuvor in der Tageszeitung „Ethnos“ zuversichtlich gezeigt, bis Ende der Woche eine Einigung mit den Europartnern zur kurzfristigen Finanzierung der Staatsschulden zu finden.

          Das Problem werde „auf politischer Ebene bis Ende der Woche, bis zum Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs oder, wenn nötig, während des Gipfels“ am Donnerstag und Freitag gelöst werden, sagte Tsipras dem Blatt. Zugleich warf er ungenannten „Kräften“ vor, die „Konfrontation“ zu suchen, um einen fortgesetzten Sparkurs zu erreichen.

          Daher würden sie die Umsetzung der Vereinbarung vom 20. Februar über die Verlängerung des Hilfsprogramms blockieren, sagte Tsipras wohl mit Blick auf die Bundesregierung, mit der es starke Spannungen gibt. Er warf den „Kräften“ vor, „Panik in Politik und Wirtschaft“ zu verbreiten, um die Verhandlungen über eine Erleichterung der Schuldenlast zu „sabotieren“.

          Schuldenstreit : Eiszeit zwischen Berlin und Athen

          Seit der Regierungsübernahme von Tsipras vor acht Wochen ist der Streit über Griechenlands Schulden eskaliert. Athen hätte am liebsten ein Ende der Sparauflagen und trotzdem weitere Kredite der Euro-Staaten. Die Gläubiger wiederum bestehen auf konsequenten Reformen und der Einhaltung aller Vereinbarungen.

          In den vergangenen Tagen hatte es auch starke atmosphärische Spannungen zwischen Berlin und Athen gegeben. Tsipras fordert unter anderem von Deutschland die Rückzahlung eines 1942 von den deutschen Besatzungsbehörden erhobenen Zwangskredits. Auch Reparationszahlungen für Opfer der deutschen Besatzung werden angemahnt. Die Bundesregierung lehnt beide Forderungen kategorisch ab und ist auch zu keinen Verhandlungen darüber bereit. Diverse Minister aus Tsipras' Kabinett haben Berlin zudem mit einer Flüchtlingswelle gedroht, sollte Griechenland aus dem Euroraum ausscheiden. Griechenlands Verteidigungsminister Kammenos beschuldigte Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zudem, einen psychologischen Krieg zu führen. „Ich verstehe nicht, warum er sich jeden Tag in neuen Statements gegen Griechenland wendet“, sagt Kammenos in der „Bild“-Zeitung. „Das ist wie ein psychologischer Krieg und Schäuble vergiftet damit die Beziehungen zwischen beiden Ländern.“

          Merkel hat den Linkspolitiker aus Athen bisher erst einmal getroffen, auf dem EU-Gipfel am 12. Februar. Am Donnerstag werden beide zudem an dem zweitägigen EU-Treffen der 28 Staats- und Regierungschefs in Brüssel teilnehmen.

          EU-Parlament : Tsipras will Beschlüsse vom 20. Februar umsetzen

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