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Trumps Truppenreduzierung : Ist die Bundeswehr bereit für den Afghanistan-Abzug?

Der Kommandeur der Nato-Truppen in Afghanistan, Scott Miller, trifft im Juni 2019 in einem amerikanischen Militärhubschrauber zu einem Besuch beim Gouverneur der Provinz Wardak ein. Bild: AFP

Trumps Ankündigung setzt die Nato-Partner unter Zugzwang. Die Bundeswehr plant seit längerem den Rückzug aus Afghanistan. Aber ist für spontane Aktionen des amerikanischen Präsidenten ausreichend vorgesorgt?

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          „Gemeinsam rein, gemeinsam raus“, lautet das Mantra der Nato, wenn es um Afghanistan geht. Auch deutsche Diplomaten bringen den Satz immer wieder an, wenn man nach der Zukunft des Einsatzes am Hindukusch fragt. Das Motto erklärt, warum Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sich am Montag so deutlich von den Abzugsplänen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump distanzierte und vor einem neuen „Terror-Kalifat“ in Afghanistan warnte. Denn für die Nato-Partner stellt sich nun die Frage, wie lange sie noch ihre Unterstützungsmission in dem Land fortsetzen können. Das betrifft vor allem auch die Bundeswehr. Deutschland ist in Afghanistan der zweitgrößte Truppensteller, nach den Vereinigten Staaten. Sind die Deutschen auf einen Abzug vorbereitet?

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Thomas Gutschker

          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Stoltenberg spricht seit langem davon, dass die internationale Präsenz „von den Bedingungen im Land“ abhänge und davon, dass die aufständischen Taliban ihre Verpflichtungen aus dem Doha-Abkommen einhielten. Nach Einschätzung der Allianz ist das bislang nicht der Fall, das Gewaltniveau ist viel zu hoch. Deshalb wurde bisher auch der im Abkommen vereinbarte komplette Abzug bis Anfang Mai nächsten Jahres stets mit Fragezeichen versehen. Stoltenberg bekräftigte zwar, dass die Ausbildung der afghanischen Streitkräfte fortgesetzt werde, ungeachtet der amerikanischen Pläne. Doch heißt es intern: sicherlich nicht im gleichen Umfang. Die großen Truppensteller konferieren jetzt auf Nato-Ebene, um die Folgen abzuschätzen. Der Generalsekretär konsultiert die Verteidigungsminister, am Mittwoch etwa den italienischen.

          Bei der gegenwärtigen Nato-geführten Mission „Resolute Support“ geht es für die meisten beteiligten Alliierten vor allem um „Support“, also Unterstützung für die afghanischen Sicherheitskräfte. Die Allianz ist nach Angaben Stoltenbergs derzeit noch mit knapp 12.000 Soldaten in Afghanistan vertreten, „mehr als die Hälfte davon“ sind nicht aus Amerika. Genauer kann es die Allianz derzeit nicht sagen. Ihre letzte exakte Auflistung stammt aus dem Juni. Da waren es noch fast 16.000 Mann aus 38 Staaten, Nato-Mitglieder und -Partner. In Brüssel weisen Diplomaten seit Monaten darauf hin, dass größere Truppenverminderungen der Amerikaner sich auf die Präsenz der anderen Staaten auswirkten. Das wurde sowohl mit der Abhängig bei Transport und Logistik begründet wie auch politisch. Wenn die Amerikaner gingen, steige der innenpolitische Druck auf alle anderen, es ebenfalls zu tun.

          Seit dem Ende des großen Afghanistan-Engagements im Rahmen der Isaf-Mission haben alle Nato-Streitkräfte um 2015 ihre Präsenz in dem Land bereits stark reduziert, auch die Bundeswehr. Sie stellt mit derzeit noch 1227 Soldatinnen und Soldaten das zweitgrößte Kontingent, vor Briten, Italienern, Georgiern, Rumänen und Türken. Damit ist der Afghanistan-Einsatz trotz massiver Reduzierung immer noch der größte, vor Mali, wo etwa 1000 Soldaten eingesetzt sind.

          Die Abzugsentscheidung wird bei der Bundeswehr längst erwartet. Spätestens seit die Vereinigten Staaten im Frühjahr ein Abkommen mit den Taliban geschlossen haben, laufen Vorbereitungen. Präsident Donald Trump hatte in seiner Rede zur Lage der Nation Anfang Februar gesagt: „Wir arbeiten daran, den längsten Krieg Amerikas endlich zu beenden und unsere Truppen wieder nach Hause zu bringen.“  Im Frühjahr lagt die Zahl der amerikanischen Soldaten in Afghanistan noch bei etwa 13.000, sie wurden dann bis zum Sommer auf etwa 8500 reduziert.

          Die Deutschen betreiben „aggressive housekeeping“

          Dazu sollte auch proportional die Zahl der Nato-Truppen reduziert werden. Das galt für die Bundeswehr aber zunächst nicht. Gleichwohl wird der Abzug konkret. Eine sogenannte „Rückverlege- und Verwertungsorganisation“ mit bis zu 150 Soldaten ist damit befasst, insbesondere Materialbestände bereits zu reduzieren. Alles, was nicht akut gebraucht wird, kommt bereits seit Monaten auf den Rückweg nach Deutschland. Zudem stehen Kapazitäten für Lufttransporte, etwa mit Antonov-Großraumtransportern, auf Abruf bereit. Im Nato-Jargon heißt so etwas „aggressive housekeeping“.

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