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Trump und Merkel : Spitze Bemerkungen und andere Nettigkeiten

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Darf es etwas mehr sein? Merkel (r.) und ihr erster Präsident, George W. Bush, beim Grillabend 2006 in Trinwillershagen Bild: dpa

Trump ist Merkels dritter amerikanischer Präsident in ihrer Zeit als Kanzlerin. Die Differenzen zu Beginn waren noch nie so groß. Spitze Bemerkungen gibt es jetzt schon von beiden Seiten.

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          Angela Merkel lässt nichts unerwidert, was derzeit aus der neuen Administration der Vereinigten Staaten zu hören und zu lesen ist: Einreisemodalitäten und Einschränkungen, die Behandlung von Flüchtlingen, den Freihandel. Die Bundeskanzlerin beschränkt sich nicht einmal darauf, die Differenzen über ihren Regierungssprecher Steffen Seibert öffentlich bekanntzumachen – was den protokollarischen Nebeneffekt hätte, von ihrem Gesprächspartner Donald Trump nicht persönlich haftbar gemacht werden zu können. Sie tut und sie sagt es selbst.

          Donald Trump ist in den Zeiten Merkels Regierungszeit der dritte amerikanische Präsident – nach George W. Bush und Barack Obama. Auch mit denen gab es Differenzen. Nie zuvor seit ihrer Wahl zur Bundeskanzlerin 2005 aber war der Beginn des Verhältnisses zum angeblich mächtigsten Mann der Welt so belastet wie das zwischen Trump und Merkel – abseits der üblichen Versicherungen des amerikanischen Präsidenten, Merkel gehöre zu den großen Führern der Welt. Trump scheint freigiebig mit solchen Worten umzugehen.

          Das Telefongespräch zwischen Trump und Merkel am vergangenen Samstag ist als diplomatischer Balanceakt zu interpretieren. Es war der zweite direkte Kontakt und damit die Fortsetzung des Gesprächs vom 10. November, kurz nach der Wahl Trumps. „In diesem Gespräch hat die Bundeskanzlerin Donald Trump zu seinem Erfolg bei der Präsidentenwahl gratuliert, und sie hat betont, dass Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika durch gemeinsame Werte eng verbunden sind. Die Bundeskanzlerin hat dem designierten Präsidenten auf der Grundlage der traditionell sehr guten und freundschaftlichen Beziehungen beider Länder eine enge Zusammenarbeit zugesagt“, hatte der Regierungssprecher damals mitgeteilt. Die „Grundlage“ aber hatte Merkel selbst in einem Statement im Kanzleramt vorgetragen. „Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung. Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an.“

          Amerikas Administration ist nicht erreichbar

          Seither mühten sich die Fachleute im Kanzleramt und im Auswärtigen Amt, Kontakte zu ihren „Kollegen“ in Washington zu knüpfen. Das Problem für die Berliner: Lange Zeit gab es dort keine. Und noch heute ist es nicht einfach. Manche Posten in der amerikanischen Administration sind noch vakant; und wo sie besetzt sind, macht die deutsche Seite die Erfahrung, auf Leute zu treffen, die noch nicht eingearbeitet sind. Unterschiede zu früher sind zu vermerken. Bush mag sich in Gesprächen in freundlichen Allgemeinplätzen ergangen haben. Doch hatte er Fachleute an seiner Seite, deren Spezialwissen in Berlin geschätzt wurde. Im Falle Obamas gibt es Erinnerungen, es habe beinahe eine Konkurrenz zwischen dem amerikanischen Präsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin gegeben, wer die Details der zweiseitigen Verhandlungsgegenstände besser kenne – damals über die Immobilienblase und die folgende Wirtschafts- und Bankenkrise.

          Die Umstände hatten Folgen – auch für das Gespräch Trumps mit Merkel. Am späten Samstagnachmittag nach 45 Minuten war das Telefongespräch beendet. Gute drei Stunden dauerte es, bis eine „gemeinsame Presseerklärung“ veröffentlicht werden konnte, die abzugeben Merkel und Trump verabredet hatten. Zwar ist davon auszugehen, die Zusammenarbeit bei der Formulierung habe über den Atlantik hinweg funktioniert. Doch ein Vergleich mit dem ersten Telefonkontakt Merkels mit Obama nach dessen Amtsantritt machte die Unterschiede deutlich. Damals im Januar 2009 konnte der seinerzeitige deutsche Regierungssprecher Ulrich Wilhelm ohne detaillierte Abstimmung mit seinem Kollegen in Washington mitteilen, das Gespräch sei „ausführlich“ und „freundschaftlich“ verlaufen. Sorgen, seitens der Obama-Administration könnten konterkarierende Erklärungen veröffentlicht werden, gab es nicht. Heute herrschen neue Zeiten.

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