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Türkische Offensive : Trump ordnet Rückzug amerikanischer Soldaten aus Nordsyrien an

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Ein amerikanischer Soldat steht am 8. September während einer gemeinsame Patrouille mit türkischen Soldaten nahe der syrischen Ortschaft al Hashisha Wache. Bild: AFP

Der amerikanische Verteidigungsminister Esper begründet die Verlegung nach Süden mit der Gefahr, zwischen die Fronten zu geraten. Kanzlerin Merkel fordert derweil von der Türkei ein umgehendes Ende der Operation.

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          Inmitten der Militäroffensive der Türkei hat Amerikas Präsident Donald Trump den Rückzug nahezu aller verbliebenen amerikanischen Soldaten aus Nordsyrien angeordnet. Es bestehe die Gefahr, dass die Truppen der Vereinigten Staaten zwischen zwei sich gegenüberstehenden Armeen gerieten, die in Nordsyrien vorrückten, sagte Verteidigungsminister Mark T. Esper am Sonntag dem amerikanischen Fernsehsender CBS. Das sei eine „sehr unhaltbare“ Situation.

          Esper habe deshalb mit Trump gesprochen, der angeordnet habe, dass mit einem Rückzug von Kräften aus Nordsyrien begonnen werde. Die amerikanische Regierung wolle sicherstellen, dass keine eigenen Soldaten verletzt oder getötet würden, sagte Esper. Man spreche von weniger als 1000 Soldaten, die aus Nordostsyrien abgezogen werden sollen, sagte Esper Fox News. Es gebe keinen Zeitplan. Der Abzug solle auf „sichere, überlegte“ Weise passieren. Dabei sollten die Truppen nicht außer Landes geschafft, sondern lediglich weiter nach Süden geschafft werden.

          Aus dem unmittelbaren Gebiet der türkischen Offensive, die seit Mittwoch läuft, hatten die Vereinigten Staaten vergangene Woche rund 50 Soldaten abgezogen. Die Entscheidung wurde von Kritikern als grünes Licht für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für den Einsatz gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien gewertet. Trump hatte für die Entscheidung scharfe Kritik auch aus seinen eigenen Reihen kassiert.

          Im vergangenen Dezember hatte Trump angekündigt, alle 2000 amerikanischen Soldaten aus Syrien abzuziehen - mit der Begründung, der „Islamische Staat“ (IS) sei dort bezwungen. Einige Hundert Soldaten sollten aber schließlich als „Friedenssicherungstruppe“ bleiben.

          Derweil droht die Offensive zu einer ernsten Krise im Verhältnis zwischen Berlin und Ankara zu werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Sonntag zum Stopp der Militäroperation auf. Die Kanzlerin habe sich in einem Telefonat mit Erdogan für eine „umgehende Beendigung der Militäroperation“ ausgesprochen, berichtete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf eine Regierungssprecherin.

          Erdogan kritisierte seinerseits am Sonntag Deutschland wegen der Einschränkung der Waffenexporte scharf. „Steht ihr auf unserer Seite oder auf jener der Terrororganisation?“, fragte der türkische Präsident bei einer Rede in Istanbul. Er habe in dem Telefonat mit Merkel eine Erklärung zu den Äußerungen von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) vom Samstag zu den Waffenexporten gefordert.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Olaf Scholz warten Ende Juni am Rande des G20-Gipfels auf den türkischen Präsidenten Erdogan.

          Maas hatte am Samstag gesagt, die Bundesregierung werde keine neuen Genehmigungen für Rüstungsgüter erteilen, die durch die Türkei in Syrien eingesetzt werden könnten. Auch Frankreich und weitere EU-Staaten schränkten wegen der umstrittenen türkischen Offensive gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien ihre Rüstungsexporte ein oder legten sie ganz auf Eis.

          Erdogan reagierte empört auf die Einschränkung der Waffenexporte durch die Europäer. „Sind wir nicht Verbündete in der Nato, oder ist die Terrorgruppe in die Nato aufgenommen worden, ohne dass ich informiert wurde?“, fragte er mit Blick auf die kurdische YPG-Miliz, die Ankara wegen ihrer engen Verbindungen zur verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation betrachtet.

          Zugleich sagte Erdogan, kein Waffenembargo und keine Sanktionen würden die Türkei bei ihrem Vorgehen in Nordsyrien stoppen. „Seitdem wir unsere Operation gestartet haben, werden uns Wirtschaftssanktionen oder Waffenembargos angedroht. Jene, die glauben, uns mit solchen Drohungen zwingen zu können zurückzuweichen, irren sich“, sagte er.

          Die Türkei hatte am Mittwoch mit Unterstützung arabisch-syrischer Rebellen eine lange geplante Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG begonnen, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet beherrscht. Im Fokus der Kämpfe standen am Sonntag die Grenzstädte Ras al-Ain und Tall Abjad, die bislang zum Herrschaftsgebiet de  von der der YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) gehören. Die Türkei sieht in der YPG einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die Offensive stieß in den vergangenen Tagen international auf breite Kritik.

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