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Trotz Corona : Warum die Zahl der Organspender zugenommen hat

Mediziner in Rostock entnehmen das Herz eines Verstorbenen Bild: dpa

Mediziner verzeichnen mehr Organspender als im Jahr zuvor. Wie kann das sein, wo doch seit Monaten eine Pandemie das Gesundheitssystem unter Druck setzt?

          3 Min.

          Trotz der Corona-Pandemie, die das Gesundheitssystem nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate unter Druck setzt, ist die Zahl der Organspender in Deutschland bislang höher als im vergangenen Jahr. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) am Dienstag in Frankfurt mitteilte, wurden zwischen Januar und Ende Oktober bei 793 Personen bundesweit Organe entnommen. Das sind 2,3 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damals registrierte die Stiftung lediglich 775 Spender.

          Kim Björn Becker
          Redakteur in der Politik.

          „Im Gegensatz zu Spanien, wo die Zahlen im Frühjahr auf fast ein Viertel der früheren Aktivität zurückgingen, oder auch Italien mit einem zeitweisen 30-prozentigen Rückgang, konnten Organspende und Transplantation hierzulande relativ konstant weitergeführt werden“, sagte der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Axel Rahmel. 

          Die DSO verzeichnete im Januar und Februar dieses Jahres, also unmittelbar vor dem Beginn der Pandemie in Deutschland, deutlich überdurchschnittliche Zahlen bei der Organspende. Im März und April, auf dem Höhepunkt der ersten Welle, gingen die Zahlen dann erstmals leicht zurück. Dass die Werte in diesem Jahr bislang über denen des Vorjahres liegen, dürfte also maßgeblich etwas mit der Entwicklung vor Corona zu tun haben.

          Weniger Organspenden in Spanien

          Spanien gilt wegen seines sonst sehr hohen Anteils an Organspendern in Fachkreisen als Vorbild. Auf eine Million Einwohner kamen dort vor Beginn der Corona-Pandemie knapp 49 Organspender. In Deutschland waren es nur etwas mehr als elf. Wegen der überlasteten Intensivstationen hätten die Ärzte in Spanien vielfach keine Kapazitäten mehr dafür gehabt, mögliche Organspender unter ihren Patienten zu erkennen, sagte Rahmel.

          Der vergleichsweise hohe Anteil an Intensivbetten in Deutschland ist nach seiner Auffassung ein Grund dafür, dass es hierzulande nicht zu einem vergleichbaren Einbruch der Spenden kam. Die Mediziner hätten weiterhin ausreichend Zeit gehabt, um mögliche Organspender zu identifizieren, mit Angehörigen zu sprechen oder überhaupt zu transplantieren. Zudem habe man frühzeitig viel getestet. So habe verhindert werden können, dass Spender das Corona-Virus an die Empfänger der Organe weitergeben. Im Schnitt wurden einem Spender zuletzt 3,2 Organe entnommen.

          Dass die Krankenhäuser trotz Corona genügend Zeit hatten, sich um das Thema Organspende zu kümmern, zeigt eine weitere Zahl. Zwischen Januar und Oktober wandten sich die Kliniken in 2626 Fällen an die DSO, die jede Organentnahme begleitet. Das entspricht einem Zuwachs von 4,1 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zu einem „organspendebezogenen Kontakt“ kommt es immer dann, wenn ein Krankenhaus einen möglichen Organspender im Blick hat. Zu einer Organentnahme kam es zuletzt aber nur in etwa jedem dritten Fall. Die Gründe dafür können sein, dass der Spender einer Organentnahme zu Lebzeiten widersprochen oder die Angehörigen einer Transplantation nicht zugestimmt haben. Darüber hinaus kann es medizinische Gründe dafür geben, dass ein Spender aussortiert wird.

          Die Gesundheitspolitikerin der Grünen, Kirsten Kappert-Gonther, nannte es eine „gute Nachricht“, dass die Zahlen nach oben gehen. „Die deutliche Erhöhung Anfang des Jahres vor Beginn der Pandemie macht Mut für die Zukunft“, sagte sie der F.A.Z. „Die im letzten Jahr beschlossenen Neuregelungen und die Debatte im Bundestag Anfang dieses Jahres entfalten Wirkung.“ 

          Die Reform von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist im April des vergangenen Jahres in Kraft getreten, wurde zuletzt allerdings nur schleppend von den Krankenhäusern umgesetzt. Sie sieht vor, dass die Kliniken mehr Transplantationsbeauftragte bestimmen und diese dafür freistellen, dass sie bei geeigneten Patienten auf den Intensivstationen genau prüfen, ob sie für eine Transplantation in Frage kommen. Nach der Vorstellung des Gesetzgebers sollen so mehr Organspender erkannt werden. 

          „Die politische Umsetzung der Reform muss genauso wie das bessere Erkennen und Melden von potentiellen Spenden in den Entnahmekrankenhäusern weiter vorangetrieben werden“, forderte Kappert-Gonther. „Das Potential für die Dokumentation der hohen Spendebereitschaft sowie der realisierten Transplantationen ist noch nicht erschöpft.“

          Laut der Koordinierungsstelle Eurotransplant warten in Deutschland derzeit 9081 Menschen auf ein Spenderorgan.

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