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Kanzlerkandidatur : Tritt Merkel wegen Trump wieder an?

  • -Aktualisiert am

Dank Norbert Röttgen nimmt die Diskussion um eine neue Kanzlerkandidatur Merkels an Fahrt auf. Bild: dpa

Die Kanzlerin sei der „Eckpfeiler des politischen Konzepts des Westens“, sagt Norbert Röttgen. Angela Merkel werde wieder antreten. Sicher ist das noch nicht. Aber bald dürfte Klarheit herrschen.

          Nichts hat sich Angela Merkel ansehen lassen. Nichts hat die Bundeskanzlerin preisgegeben. Nichts hat die CDU-Vorsitzende verraten. Mittwochmittag, kurz nach zwölf Uhr präsentierte sie – gemeinsam mit den Vorsitzenden der SPD, Sigmar Gabriel, und der CSU, Horst Seehofer – den nun gemeinsamen Kandidaten der großen Koalition für das Amt des Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier.

          Dass sie lange Zeit, angeblich sogar bis einschließlich des vergangenen Sonntags, hatte verhindern wollen, dass der sozialdemokratische Außenminister Hausherr im Schloss Bellevue werde, wurde aus ihren Bemerkungen nicht ersichtlich. Allenfalls war es aus ihrer Bemerkung herauszulesen, sie danke ihrer Parteiführung, dass die „ihrem“ Vorschlag gefolgt sei, Steinmeier solle es nun doch werden. Lauter Dinge sagte sie, nach denen sie schon vor Monaten ein öffentliches Plädoyer für Steinmeier als Nachfolger Joachim Gaucks hätte abgeben können. „Frank-Walter Steinmeier ist der richtige Kandidat in dieser Zeit.“ Und: „Ich freue mich darüber.“ Er sei ein Mann, dem die Menschen vertrauen könnten. Und wenn sie einmal Differenzen gehabt hätten, „war die Auseinandersetzung immer sachlich und fair“.

          Warten auf den angemessenen Zeitpunkt

          Fragen waren bei der – gut 15 Minuten langen – Präsentation auf der Fraktionsebene im Reichstagsgebäude, jener Etage also, auf der die vier Bundestagsfraktionen ihre Plenarsäle haben, nicht zugelassen. Gewiss wären zwei gestellt worden, die seit Wochen nun als ein „Ceterum censeo“ durch das Berliner Regierungsviertel wabern. Frage eins: Tritt Merkel wieder an – als CDU-Vorsitzende, als Kanzlerkandidatin? Frage zwei, gegebenenfalls: Wann wird sie das mitteilen wollen? Merkel pflegte bislang beide Fragen in einem zu beantworten, was nun auch schon etwas länger zurückliegt, weil sich ihre Parteifreunde und sonstige Neugierige ins Schicksal der Ungewissheit gefügt haben. Der richtige und angemessene Zeitpunkt werde schon kommen, lautete Merkels „Ceterum censeo“.

          Am Dienstagabend schien die Angelegenheit wider Erwarten Fahrt aufzunehmen. Norbert Röttgen von der CDU, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, hatte dem amerikanischen Fernsehsender CNN ein Interview gegeben, dessen Extrakt gegen halb acht Uhr über die Nachrichtenagenturen bekannt wurde, was wiederum für mächtigen Wirbel in der Netzgemeinde sorgte.

          Röttgen ist sich sicher

          Röttgen, der einst zum engeren Umfeld Merkels gehört hatte, später aber von ihr aus dem Bundeskabinett entlassen worden war, war mit dem Hinweis konfrontiert worden, es sei doch immer noch ungewiss, was aus Merkel werde. Die Antwort war voller Klarheit. „Sie wird als Kanzlerkandidatin antreten.“ Röttgen nannte die Kanzlerin einen „Eckpfeiler des politischen Konzepts des Westens“. Merkel agiere als „Global Player“. Er sagte auch: „Also wird sie antreten und wie ein verantwortlicher Führer handeln.“

          Nur rund dreißig Minuten dauerte es, bis die CDU-Zentrale reagierte. „Es gilt das, was die Parteivorsitzende gesagt hat: Sie wird ihre Entscheidung zur gegebenen Zeit mitteilen.“ Und ein paar Minuten später äußerte Steffen Seibert, Merkels Regierungssprecher: „Sie wird sich zu der Frage zum geeigneten Zeitpunkt äußern – wie bereits mehrfach gesagt.“ Alles war wieder zurück auf Null.

          Ankündigung oder Wunsch?

          So war das schon einmal gewesen. Ende August, nachdem einige führende CDU-Politiker den Wunsch geäußert hatten, die Kanzlerin möge es noch einmal wissen wollen, setzte Julia Klöckner, die CDU-Vorsitzende von Rheinland-Pfalz und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende, einen drauf. „Angela Merkel wird wieder antreten als Parteivorsitzende am Bundesparteitag, und sie wird dann selbst entscheiden, wann sie verkünden wird, dass sie als Kanzlerkandidatin zur Verfügung steht.“ Vom CDU-Generalsekretär Peter Tauber wurde der Rheinland-Pfälzerin das Wort im Mund herumgedreht. Deren Äußerung sei nicht als Ankündigung zu verstehen, sondern „dass sie damit den Wunsch unserer Mitglieder zum Ausdruck gebracht hat, dass Angela Merkel die Union weiter führen möge“.

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