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Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet während des Triells Bild: dpa

Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.

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          Diesmal war Olaf Scholz auf Angriffe vorbereitet. Vor einer Woche noch hatte Armin Laschet dem SPD-Kanzlerkandidaten mit harten Attacken die Röte in die Ohren getrieben. Aber am Sonntagabend kam Laschet gar nicht dazu, Scholz wegen der Geldwäsche zu grillen, weil ihm Baerbock zuvorkam. Scholz war präpariert und bleib kühl.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Der letzte der medialen Dreikämpfe vor der Bundestagswahl bot Scholz und Laschet, vor allem aber Annalena Baerbock beim Triell der Privatsender nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen und den souveränen Umgang mit fiesen Fragen unter Beweis zu stellen. Wer gedacht hatte, bei den privaten Sendern, die mehr vom Kochduell und Boxen herkommen als vom Völkerrecht, werde es heißer und kampfbetonter, wurde enttäuscht. Wer hingegen sachliche Diskussion schätzt, bekam was geboten.

          Nachdem die beiden öffentlich-rechtlichen Sender am vorigen Sonntag weder eine solide Kulisse oder eine verlässliche Zeitmessung, noch abgestimmte Fragen geliefert hatten, zeigten die Moderatorinnen Linda Zervakis (Pro Sieben) und Claudia von Brauchitsch (Sat 1) im Privatfernsehen, dass gute Vorbereitung einem zähen Politikabend Fließgeschwindigkeit verleihen kann. Und dass Metaphern jahreszeitlich nicht gebunden sind. Es müsse sich anfühlen, wie kurz vor Weihnachten, vermutete Zervakis die Stimmung der Kandidaten. Ohne „Blabla“ sollten sie bitte antworten, forderte von Brauchitsch gleich zu Beginn Scholz auf, nachdem ein Einspieler lauter Leute gezeigt hatte, die vom Wahlkampf eher überfordert als begeistert schienen. Scholz spielte daraufhin die Kurzfassung seines Programms ab. Laschet scheiterte dann gleich bei der Aufgabe „in einem Satz“ zu sagen, was er will. Er braucht ungefähr zehn. Baerbock schachtelte ähnlich los.

          Dann ging es gleich hinein in die soziale Lage: Arme in Deutschland und die Frage an Scholz, ob er sich überhaupt vorstellen könne, „wie es denen geht“. Scholz parierte das mit seiner Erfahrung als Anwalt für Arbeitsrecht und dem Mindestlohn. Laschet wurde gefragt, wie sehr er sein Leben mit 2500 Euro einschränken würde und hatte seine Bergarbeiter-Familiengeschichte parat. Baerbock sollte dann was zu Biomilch für 2,50 Euro sagen und warb für Kindergrundsicherung.

          Anfangs verlief die Debatte sachlich, geradezu freundlich. Das konnte nicht ganz im Sinne Laschets sein, der noch immer in Umfragen persönlich weit hinter Scholz liegt und gemeinsam mit seiner Union seit zwei Wochen versucht, die Glaubwürdigkeit von Scholz zu demontieren. Als Laschet den SPD-Politiker wegen des höheren Mindestlohnes attackierte und behauptete, das ginge nur mit SPD, Linke und Grünen, entgegnete Scholz kühl: „Ich mache das jetzt nicht weil Wahlkampf ist, sondern es geht um die Würde der Bürgerinnen und Bürger und das ist vielleicht etwas, was uns von einander unterscheidet.“ Das saß. Laschet attackierte nicht weiter.

          Baerbock griff klimapolitisch an

          Er konnte dann in der nächsten Runde Baerbock und Scholz noch vorwerfen, sie dächten nur an sich „und nicht an den Bäckermeister“ und daran, dass der Mittelstand Arbeit schafft. Die daraus folgende Debatte um höhere Steuern zeigte Scholz und Baerbock als Partner von morgen, deutlicher als bei den letzten Sendungen der Dreier-Formats. „Ich hab‘ verstanden, was Frau Baerbock gesagt hat und unterstütze sie in ihr Haltung.“ sagte Scholz an einer Stelle, wörtlich, an anderen sinngemäß. Laschet sah sich zunehmend in einem Duelle Zwei gegen Einen. Dann ging es weiter, nach dem Thema Soziale Gerechtigkeit folgten Klimawandel, Digitalisierung, Corona und Zuwanderung. Das waren die Themen, für die beste Lösungen gesucht wurden, geradezu moderat.

          Beim Klima wollen SPD und Grüne mehr und tiefgreifender handeln als die Union. Originellerweise hielt Zervakis Laschet ein Micky-Maus-Heft von 1993 vor und behauptete, dass seine Union das Thema verschlafen habe, während die Micky Maus schon daran dachte, das Heft handelte vom Regenwald. Laschet erinnerte an Klaus Töpfer, der das Thema bereits vor der Maus bearbeitet habe, nichts habe die Union verschlafen. Barbock nutzte das Thema, um zu sagen, was sie, wegen schmelzender Umfragewerte, länger nicht gesagt hatte, das nämlich eine Bundesregierung unter grüner Führung nötig sei, um das Klima zu retten. Und anders als beim letzten Triell blieb sie seltener passive Teilnehmerin eines Männerstreits sondern griff klimapolitisch an, meistens Laschet, aber auch Scholz.

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          Wenig Stoff für Streit bot das Thema Corona, Scholz war einer der Moderaten der Bundesregierung, Laschet im Team vorsichtige Lockerung unter den Ministerpräsidenten. Baerbock machte aber auf Versäumnisse gegenüber den Kindern aufmerksam, Scholz mahnte bessere Bezahlung und Tarifverträge an, „das haben wir jetzt versucht, ein bisschen durchzusetzen“.

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