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Treffen im Kanzleramt : Parteichefs vertagen Präsidentensuche

  • Aktualisiert am

Herbststimmung vorm Kanzleramt Bild: dpa

„Eine Einigung ist weiterhin nicht ausgeschlossen“: Angela Merkel, Sigmar Gabriel und Horst Seehofer haben ihre Spitzengespräche über einen gemeinsamen Kandidaten für das Bundespräsidentenamt vorerst ergebnislos beendet.

          Den Spitzen der großen Koalition ist es am Sonntag nicht gelungen, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten für die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck zu verständigen. Eine etwa 90 Minuten lange Begegnung der Parteivorsitzenden Angela Merkel (CDU), Horst Seehofer (CSU) und Sigmar Gabriel (SPD) im Kanzleramt wurde ohne Mitteilungen beendet. Aus Teilnehmerkreisen hieß es, die Gespräche sollten fortgesetzt werden. Gabriel ließ sich mit dem Satz „eine Einigung ist weiterhin nicht ausgeschlossen“ zitieren.

          Vor dem Treffen im Kanzleramt hatte Seehofer in der ARD angekündigt, er wolle erfahren, wie ernst es der SPD mit einer Kandidatur Frank-Walter Steinmeiers (SPD) sei. Er werde Gabriel die Frage „Ist das apodiktisch gemeint? Ist das noch korrigierbar?“ stellen. Falls der SPD-Vorsitzende das bejahte, „suchen wir weiter gemeinsam“. Sollte Gabriel auf einer Kandidatur Steinmeiers bestehen, müssten Merkel und er darüber sprechen, wie die Union sich weiter verhalte, sagte Seehofer voraus. Nachdem Gabriel am Sonntagnachmittag das Kanzleramt verlassen hatte, setzten Merkel und Seehofer das Gespräch fort. In der CDU hieß es, an diesem Montag werde das Parteipräsidium darüber beraten.

          Politiker der Linkspartei, der Grünen und der FDP äußerten sich skeptisch. Im ZDF sagte die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Sahra Wagenknecht: „Steinmeier ist nicht unser Kandidat. Das ist völlig klar.“ Sie nannte Norbert Blüm (CDU) als vorstellbar. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner kritisierte das Vorgehen der Koalitionsparteien. „Mich stört, dass die Frage, wer das höchste Staatsamt in Deutschland besetzt, zu einem Gegenstand der Parteitaktik geworden ist.“ Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter sagte: „Das Gezerre um das höchste Amt im Staat ist unwürdig.“ Die Grünen setzten auf eine Persönlichkeit, „die breit und parteiübergreifend getragen wird“. Auch Gauck äußerte sich. In einem Gespräch mit „Spiegel Online“ gab er vor, sich nicht über die Personaldebatten zu wundern. Gauck sagte über seinen Nachfolger: „Das Holz sollte nicht zu hart und nicht zu weich sein. Anders ausgedrückt: Eine Mischung aus Demut und Selbstbewusstsein ist hilfreich.“

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