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Katholikentag in Münster : Zwischen Kölsch und leeren Kartons

Stand des Bistums Limburg auf dem 101. Katholikentag in Münster Bild: Daniel Deckers

Auf der Kirchenmeile des Katholikentages geht es fröhlich zu, zumindest am Stand des Erzbistums Köln. Das Zelt der Limburger ist verwaist – ein Widerschein der inneren Tristesse nach „Bling-Bling“-Bischof Tebartz-van Elst?

          Zugegeben, das Wetter war am späten Donnerstagnachmittag zu regnerisch, als dass es die Besucher des 101. Deutschen Katholikentages in Scharen auf die Kirchenmeile gezogen hätte, die auf dem weiten Areal vor dem Münsteraner Schloss aufgebaut ist. Dennoch ließen sich einige Unverzagte nicht beirren, sind doch die Pavillons, in denen sich die einzelnen Bistümer von Hamburg bis Passau und von Aachen bis Görlitz präsentieren, bewährte Anlaufpunkte – um Freunde aus der Heimat zu treffen oder auch um einen Blick über den Tellerrand des eigenen Bistums hinaus zu werfen. 

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Etwa am Stand des Bistums Osnabrück: Dort steht Daniela Engelhard allen Rede und Antwort, die mehr darüber wissen möchten, wie weit man „auf dem Weg zu einer Kirche der Beteiligung“ gekommen ist. Die bundesweit erste Leiterin eines Seelsorgeamtes ist um Antworten nicht verlegen – und erntet manch neidische Blicke, wenn sie von den Erfahrungen mit neuen Formen von Gemeindeleitung berichtet und erläutert, warum man im Bistum Osnabrück den Weg der sogenannten XXL-Pfarreien nicht für den richtigen hält.

          „Wir laden andere ein, sich bei uns zu beteiligen. Und wir beteiligen uns an den Anliegen anderer“, lautet einer der Kernsätze. Und: „In einer Kirche der Beteiligung wächst eine neue Freude am Evangelium, die ermutigt, Glauben und Leben immer enger zusammenzubringen.“ 

          „Gleich gibt es Kölsch“

          In den meisten anderen Bistümern können die Katholiken von solchen Perspektiven nur träumen – etwa in Köln. Das hält die zahlreichen Katholikentagsbesucher aus dem Rheinland aber nicht davon ab, ihrer Lebensart auch in Münster treu zu bleiben. Auf die Frage, warum der Pavillon des Erzbistums so voll ist, dass die Leute in den Türrahmen stehen, lautet die erste Antwort: „Es wird gebetet.“ Der Nachsatz: „Gleich gibt es Kölsch.“

          Prompt stehen die ersten mit Kölsch-Stangen in der Hand zusammen und „fangen ne Verzäll an“, wie man am Rhein sagt. Fehlte nur noch, dass kölsche Lieder wie „Mer losse der Dom in Kölle“ angestimmt werden. Doch es sind Mitglieder der Big Band des Generalvikariates vor Ort, die weit über die Kölsch-Zone hinaus für Stimmung sorgen. 

          Dem Kölner Autor, der seit 25 Jahren im Nassauer Exil lebt, wird warm ums Herz. Kurz zuvor stand er vor dem Zelt des Bistums Limburg: alle Planen heruntergelassen, kein Mensch zu sehen, statt dessen Stapel von leeren Kartons und eine rote Mülltonne, die als „Festereste-Esser“ dient. Sollte das gar ein Widerschein der inneren Tristesse des Bistums sein?

          Oder nur ein abendlicher Gruß an die Stadt, aus der einst Weihbischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nach Mittelhessen aufgebrochen war und als „Bling-Bling“-Bischof von Limburg das Bistum weltweit der Lächerlichkeit preisgab? Fragen über Fragen. Und niemand ist da, der die Antwort kennt.

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