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Transportflugzeug A400M : Lieferung verzögert sich wohl um vier Jahre

Hat noch etliche technische Probleme: der Militärtransporter A400M Bild: ddp

Wegen technischer Probleme wird die Herstellerfirma EADS den Militärtransporter A400M nun offenbar erst vier Jahre später als geplant ausliefern können. Das sagte Verteidigungsminister Jung der F.A.Z. Trotzdem will er an dem Kauf festhalten.

          Das europäische Militärtransportflugzeug A400M wird offenbar noch später geliefert als bisher veranschlagt. Deutschland rechnet inzwischen mit einer Verzögerung um vier Jahre. Dennoch soll der Hersteller Airbus Military eine weitere Fristverlängerung bis Ende dieses Jahres erhalten, um ein Konzept vorzulegen. An diesem Freitag treffen sich bei Nizza die Verteidigungsminister der Staaten, die insgesamt 180 Flugzeuge bei der EADS-Tochter Airbus Military bestellt haben: Deutschland (60 Flugzeuge), Frankreich (50), Spanien (27), Großbritannien (25), Türkei (10), Belgien (7) und Luxemburg (1).

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Der deutsche Verteidigungsminister Jung (CDU) sagte am Donnerstag der F.A.Z.: „Es sieht so aus, dass der A400M sich um vier Jahre verzögert.“ Gleichwohl sprach sich Jung dafür aus, an dem Projekt ohne Abstriche festzuhalten. „Wir werden weiterhin darauf dringen, dass der Umfang von Kosten und Leistungen gewahrt bleibt. Der Vertrag muss eingehalten werden.“

          Vertrag mit Hersteller noch bis Ende des Jahres kündbar

          Der Vertrag gebe den Bestellernationen die Möglichkeit, die Bestellung wegen der Verzögerung zu kündigen. Für EADS würde das eine Zahlung von knapp sechs Milliarden Euro nach sich ziehen, sagte Jung. Auch bei Fortsetzung des Projektes ergäben sich nach dem Vertrag Konsequenzen für den Hersteller „bis hin zu Vertragsstrafen“, sagte Jung. „Wir fordern jetzt vom Hersteller Transparenz: Kann er die Leistungen erbringen oder müssen wir aus dem Projekt aussteigen? Meine Einschätzung ist, dass wir uns auf dem Treffen in Nizza darauf verständigen, einen weiteren Weg zu gehen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht noch aus dem Vertrag aussteigen könnten. Bis zum Ende dieses Jahres kann der Vertrag immer noch gekündigt werden, wenn EADS nicht den Forderungen entspricht. Die sieben Nationen zusammenzuhalten und gemeinsam zu einer Entscheidung zu kommen, darum geht es jetzt. Wenn der A400M am Ende kann, was er verspricht, stellt er eine einzigartige Fähigkeit dar. Deshalb würde ich mir sehr wünschen, dass wir dieses europäische Projekt gemeinsam realisieren können.“

          Eigentlich hätten nach dem Vertrag von 2003 die ersten einsatzfähigen A400M im Oktober dieses Jahres an Frankreich geliefert werden sollen, der Zulauf in die Bundeswehr sollte ein Jahr später beginnen. Tatsächlich hat aber noch nicht einmal ein Erstflug stattgefunden. Im vergangenen Jahr wurde ein zusammengebauter A400M in Sevilla vorgeführt, anschließend aber wieder in den Hangar geschoben („Roll-out“). Fraglich ist, ob die versprochenen Leistungen überhaupt erbracht werden können: Eine Zuladung von 31 Tonnen (dann könnte der neue Schützenpanzer „Puma“ in seiner Grundausstattung transportiert werden) und eine Reichweite von rund 4500 Kilometern (voll) bis 9000 Kilometern (leer).

          EADS kann den Festpreis nicht halten

          Nach und nach meldete der Hersteller Probleme oder Verzögerungen in den Bereichen Triebwerk, Laderaumausstattung, Navigationsanlage, Flugmanagementsystem, militärisches Missionsmanagementsystem und Selbstschutzausstattung, wie es in einer Regierungsantwort auf eine FDP-Anfrage Ende 2008 hieß. Damals wurde offiziell von einer Verzögerung um „mindestens 18 Monate“ ausgegangen; zwischenzeitlich war inoffiziell von drei Jahren die Rede. Jetzt hat Jung erstmals von vier Jahren Verspätung gesprochen.

          Probleme hat die EADS auch mit dem vereinbarten Festpreis von 20 Milliarden Euro für die 180 Flugzeuge. EADS-Chef Gallois hat bereits einen Nachschlag gefordert, um die trotzdem erwarteten Verluste in Grenzen zu halten. Während Berlin auf Einhaltung des Vertrags pocht, hat sich Paris sowohl hinsichtlich der Fähigkeiten als auch in der Geldfrage flexibler gezeigt, was eine einheitliche Verhandlungsposition schwächt. London soll zwischenzeitlich kurz vor dem Absprung gestanden haben.

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