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Transplantationsmedizin : Organversagen

Auch Brysch reicht der gemeinsame Antrag der Bundestagsfraktionen bei weitem nicht. Der Fall K. zeige doch, dass Entscheidungen, die eine Warteliste betreffen, künftig ausführlich, verständlich und schriftlich begründet werden müssten - dazu zähle auch eine Rechtsmittelbelehrung. „Die Rechtsweggarantie des Grundgesetzes verlangt zudem, dass der Betroffene eine Wartelistenentscheidung gerichtlich überprüfen lassen kann.“

Hans Lilie, der Vorsitzende der „Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer“ dagegen hält das in Deutschland bestehende System für bewährt. „Ich weiß nicht, welcher Gewinn mit einer Verstaatlichung verbunden wäre“, sagt Lilie, der an der Universität Halle-Wittenberg Medizinrecht lehrt. Schon jetzt seien Vertreter der Gesundheitsministerien von Bund und Ländern in allen wesentlichen Gremien des Transplantationswesens vertreten.

„Staatliche Systeme mögen in kleinen Ländern wie der Schweiz gut funktionieren, wo das Transplantationswesen übersichtlich ist und es vergleichsweise wenige Transplantationen gibt. Für Deutschland aber halte ich das bestehende System, das sich in hohem Maße durch Flexibilität und Schnelligkeit auszeichnet, als vorzugswürdig.“

Gegen die Idee, die Richtlinien der Bundesärztekammer künftig durch das Gesundheitsministerium überprüfen und genehmigen zu lassen, hat Lilie dagegen nichts einzuwenden. „Bund und Länder sind ja heute schon in der ständigen Kommission Organtransplantation an der regelmäßigen Überarbeitung der Richtlinien beteiligt, so gesehen würde das unsere Arbeit gar nicht ändern.“ Dass Richtlinien der Bundesärztekammer mit Regelungen wie zur „compliance“ oder zur Sprachkompetenz den Ärzten weite Auslegungsspielräume lässt, hält Lilie für notwendig.

Der Strafrechtler bestätigt auch, dass es kein formalisiertes Verfahren dafür gibt, wie ein Arzt seinem Patienten eine Wartelistenentscheidung mitteilen muss. „Es ist keine Schriftlichkeit vorgesehen, denn die Arzt-Patienten-Beziehung ist nichts Bürokratisches.“ Hinzu komme, dass die Warteliste per se nichts Statisches sein könne. Durch neu aufgenommene Patienten oder durch jedes neu hinzu kommende Organ veränderte sie sich vielmehr ständig. „Insofern können Sie einem Patienten auch nicht mitteilen, auf welchem Platz er sich gerade befindet.“

Im Fall Elke K. vertritt das Transplantationszentrum der Münchner Uni-Klinik auf Anfrage dieser Zeitung die Auffassung, dass der Patientin durch die „Abmeldung im Klinikum Großhadern“ kein Nachteil entstehe. Die Wartezeit für eine Nierentransplantation richte sich - unabhängig wo, wann und wie lange sie zur Transplantation gelistet worden sei - nach dem Datum der ersten Dialyse.

Auch verweist die Klinik auf die Richtlinien der Bundesärztekammer und teilt dann allgemein mit: „Die Entscheidung, welche Patienten auf der Warteliste aufgenommen werden bzw. darauf belassen werden, richtet sich nach einer ganzen Reihe unterschiedlicher, vor allem medizinischer aber auch darüber hinaus gehender Kriterien und wird von den beteiligten Ärzten entschieden.“ Die Vertrauensbasis zur Patientin Elke K. habe aufgrund „einiger dokumentierter Vorfälle, die wir aus Datenschutzgründen jedoch nicht näher erläutern können, bedauerlicherweise nicht mehr“ bestanden. Welche „Vorfälle“ damit gemeint sind, kann sich das Ehepaar nicht erklären.

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