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Transplantationsmedizin : Immer mehr Schnellverfahren bei Organvergabe

  • -Aktualisiert am

Kühlbox für ein Spenderorgan Bild: picture-alliance/ dpa

Die Kritik am Verteilungssystem von Spenderorganen wächst. Zuletzt wurden Schnellverfahren zur Zuteilung immer häufiger - vorbei an Eurotransplant. Die Ärztekammer weist Manipulationsvorwürfe zurück.

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          Im Transplantationsskandal werden die Forderungen nach einer Reform des Systems der Gewinnung und Verteilung von Spenderorganen immer lauter. Der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses der Ärzte, Kassen und Krankenhäuser, Hecken, zog in Zweifel, ob die Deutsche Stiftung Organspende (DSO), welche die Organspende, nicht aber deren Verteilung organisiert, die geeignete Stelle ist. Hecken sagte dieser Zeitung, es sei notwendig, dass „die Verfahren von einer staatlichen Stelle gesteuert und überwacht werden, die auch über ein Sanktionsinstrumentarium verfügt und hoheitliche Kontrollrechte hat“.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte angekündigt, alle Parteien zu einem Gespräch über die Zukunft der Organisation der Transplantationen einzuladen. Katrin Vogler, Gesundheitspolitikerin der Linkspartei, sagte, es sei „offenkundig“, dass die Organspende bei DSO, Bundesärztekammer und Eurotransplant nicht in den allerbesten Händen liege. „Darum muss sich der Bundestag mit geeigneteren Formen der Organisation und Kontrolle beschäftigen.“

          Ließen Ärzte Organe „liegen“?

          Frau Vogler reagierte damit auf Angaben der Bundesregierung, nach denen die Zahl der Organvermittlungen im sogenannten „beschleunigten Verfahren“ in Deutschland von 2007 bis Mitte 2012 erheblich gestiegen ist – bei Lebern von 27 auf 41 Prozent. Das „beschleunigte Verfahren“ kommt zur Anwendung, wenn aus organisatorischen Gründen oder wegen des Zustands des Spenders der Verlust eines Spenderorgans droht. Solche Organe werden vor allem regional angeboten, nicht aber in den sieben Ländern, die der für die Vermittlung zuständigen Stiftung Eurotransplant angehören. Bundesärztekammer und Eurotransplant wiesen die Vermutung zurück, Organe seien an der Warteliste vorbei vergeben worden. Wegen eines ähnlichen Verdachts, allerdings nach Manipulationen von Patientendaten, ermittelt die Staatsanwaltschaft in Göttingen und Regensburg gegen Ärzte.

          Es gebe viele Gründe für den Anstieg, erklärte die Bundesärztekammer. So würden die Spender immer älter. Zuvor war der Verdacht geäußert worden, Ärzte ließen Organe „liegen“, damit sie nicht mehr europaweit angeboten würden, sondern heimischen Patienten zugute kämen.

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