https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/totalisierung-der-erwerbsarbeit-bluem-warnt-vor-unterwerfung-der-familie-unter-den-beruf-12307947.html

„Totalisierung der Erwerbsarbeit“ : Blüm warnt vor Unterwerfung der Familie unter den Beruf

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung warnt Norbert Blüm vor einer Unterordnung der Familie unter wirtschaftliche Interessen. Unterstützt wird der ehemalige Arbeitsminister von führenden Unionspolitikern.

          1 Min.

          Der langjährige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) hat vor einer Unterordnung der Familie unter wirtschaftliche Interessen gewarnt. Führende Politiker von CDU und CSU unterstützen ihn. In einem Beitrag für die F.A.S. schreibt Blüm: „Die angeblich freie Wahl zwischen Familien- und Berufsarbeit ist zugunsten der Berufsarbeit entschieden.“ Der CDU-Politiker kritisiert: „Arbeit ist nur Arbeit, wenn sie Erwerbsarbeit ist - so borniert ist man nie zuvor gewesen.“

          Blüm, der 16 Jahre lang Arbeitsminister im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl war, wendet sich gegen die Abschaffung des Ehegattensplittings und sagt voraus, dass der Wegfall der beitragsfreien Mitversicherung von Ehefrau und Kindern in der Sozialversicherung ebenso wie die Abschaffung der Witwenrente bevorstehe.

          Norbert Blüm
          Norbert Blüm : Bild: dpa

          Zudem kritisiert er das neue Scheidungsrecht. Dieses sei die Spätfolge einer „Totalisierung der Erwerbsarbeit“ und bestrafe Frauen, die zugunsten der Familienarbeit auf eine Erwerbsbeteiligung verzichtet hätten.

          Laschet: Ich stimme Blüm zu

          Der Vorsitzende der CDU Nordrhein-Westfalens, Armin Laschet, sagte der F.A.S: „Ich stimme Norbert Blüm zu.“ Er griff SPD und Grüne an. Diese wollten die „vollständige Ökonomisierung der Familienpolitik“. Er warf beiden Parteien vor, bei ihnen trete „radikales Marktdenken und reiner Materialismus“ an die Stelle von nichtmateriellen Werten. Deshalb wollten sie das Ehegattensplitting abschaffen. Er stellte sich hinter das Vorhaben der CDU, das Ehegattensplitting zum Familiensplitting zu erweitern, bei dem Kinder stärker berücksichtigt würden. Er widersprach Blüms These, dass die „Unterordnung der Familie unter die Ratio der Wirtschaft“ im Prinzip der Wahlfreiheit angelegt sei.

          Die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Gerda Hasselfeldt, sagte der F.A.S.: „Familien dürfen nicht dem Diktat der Ökonomie unterworfen werden.“ Familienpolitik sei für die CSU keine Wirtschaftspolitik, auch nicht Gleichstellungs- oder Bevölkerungspolitik. Ziel von Familienpolitik sei nicht, Frauen oder Männer „möglichst schnell und umfassend“ wieder dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stellen. Hasselfeldt, die Spitzenkandidatin der CSU für die Bundestagswahl im September ist, wandte sich wie Laschet gegen Versuche, das Ehegattensplitting abzuschaffen oder einzuschränken.

          Weitere Themen

          Scholz sichert Selenskyj weitere kurzfristige Hilfe zu

          Ukraine-Liveblog : Scholz sichert Selenskyj weitere kurzfristige Hilfe zu

          Ringtausch: Slowakei übergibt 30 Schützenpanzer an die Ukraine +++ London: Russland ändert seine Militärtaktik +++ G7 koordinieren Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine +++ Raketen auf Dnipro in der Nacht +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Ein zerstörtes Haus nach einem Raketenangriff in Wyschhorod bei Kiew, aufgenommen am 28. November

          „Kälte als Kriegswaffe“ : Der verrohte Kreml

          Baerbock wirft Russland in der Ukraine einen Zivilisationsbruch vor und benutzt damit einen Ausdruck, der oft für den Holocaust verwendet wird. Beides lässt sich nicht gleichsetzen, aber zivilisiert ist Putins Vorgehen sicher nicht.
          Fehlt der große Plan? Die Sozialdemokratin Lambrecht im Verteidigungsministerium

          Lambrecht im Interview : „Die Helme haben auch Leben gerettet“

          Seit einem Jahr ist Christine Lambrecht Verteidigungsministerin. Ein Gespräch über die Kritik an der deutschen Hilfe für die Ukraine, Munitionsmangel bei der Bundeswehr und die Frage, ob sie nicht lieber Innenministerin wäre.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.