Torsten Albig im Gespräch : „Wir brauchen einen ehrlichen Strompreis“
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Torsten Albig Bild: dpa
Einst hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Albig seinem Parteifreund Steinbrück von einer Kanzlerkandidatur abgeraten. Im F.A.Z.-Interview rät er ihm, sich im Wahlkampf nicht zu verbiegen.
Herr Ministerpräsident, Sie haben in dieser Zeitung Ihren Genossen Peer Steinbrück vor der Kanzlerkandidatur gewarnt. Sehen Sie sich bestätigt?
Meine freundschaftliche Warnung bezog sich nicht in erster Linie auf seine Kandidatur, sondern auf das, was nach einem Wahlsieg kommt. Kanzler zu sein, das ist nicht nur vergnügungssteuerpflichtig. Aber jetzt freue ich mich, dass Peer Steinbrück sehr kraftvoll und voller Lust sagt, ich kämpfe mit Freude um dieses Amt. Es gehörte schon immer zu seinen Stärken, nicht jeden vorlauten Ratschlag anzunehmen.
Bislang war in Steinbrücks Wahlkampf vor allem zu erleben, dass er sich selbst ein Bein stellt.
Er ist anders als der typische Politiker. Das wurde an ihm stets bewundert, auch von den Medien. Nicht so geleckt und langweilig. In der neuen Rolle, in der er sich jetzt befindet, wendet sich das gegen ihn. Auf einmal ist die interessante Kante von gestern ein Hindernis, an dem man heute hängenbleibt. Wir sollten ihn alle unterstützen, dass er die Rolle des Kanzlerkandidaten annimmt ohne die Besonderheit des Menschen zu verlieren. Wenn der Wahlkampf richtig losgeht, wird das alles keine Rolle mehr spielen. Vergessen wir auch nicht, dass er als Kanzlerkandidat mit einer sehr kleinen Mannschaft starten musste. Da darf es dann schon mal etwas holpriger werden.
Kleine Mannschaft? Die ganze SPD!
Die Partei war - das muss man fairerweise sagen - noch nicht gut vorbereitet auf ihren Kandidaten. Es gab ja auch ursprünglich einen anderen Zeitplan. Das ist doch wie in jedem anderen Unternehmen auch: Der Apparat hat eine ganz eigene, über Jahre gewachsene Struktur. Die muss erst einmal begreifen, was es heißt, einen Kanzlerkandidaten, der von draußen kommt, optimal zu unterstützen. Da sind wir jetzt viel besser aufgestellt. Die Kampagne wird toll werden.
Nur keine Fehler machen - das war Ihr Wahlkampf vor einem Jahr. Auch in Niedersachsen hat das funktioniert. Kann die SPD mit dieser Methode auch Bundestagswahlen gewinnen?
Rot-Grün tritt gegen CDU und FDP an, die seit August 2009 keine Wahl mehr gewonnen haben. Frau Merkel ist eine Königin ohne Land, auch in der eigenen Partei. Die FDP ist am Ende. Wir müssen im Wahlkampf deutlich machen, dass so ein Schicksal wie das von David McAllister in Niedersachsen auch Frau Merkel ereilen wird. Das mobilisiert unsere eigenen Leute. Steinbrück muss deshalb vor allem Nähe zur eigenen Wählerschaft zeigen. Ich sehe, dass die Wahlkampfformate denen von Schleswig-Holstein ähneln: viele eher kleinere, phantasievolle Gesprächsrunden, weniger ritualisierte Großveranstaltungen. Breit mobilisieren ohne zu polarisieren. Es wäre ein Fehler, einen Wahlkampf zu machen, der im wesentlichen Steinbrück gegen Merkel heißt.
Was wird das Hauptthema dieses Wahlkampfes sein?
Etwas zugespitzt gesagt ist unser Thema eine moderne Definition von sozialer Gerechtigkeit. Antworten auf die Krise mit den Menschen und nicht gegen sie zu erarbeiten. Es geht um Teilhabe - aber auch um Wachstum. Wir glauben an die industrielle Zukunft unseres Landes. Da können wir uns auch freundschaftlich gegenüber den Grünen profilieren. Natürlich macht es uns die Arbeit nicht leichter, dass Frau Merkel in fast allen Bereichen versucht, sozialdemokratische Politik abzukupfern. Auf mich wirkt das so, als würde sie sich schon heute auf eine große Koalition vorbereiten. Wir wollen das nicht, und das müssen wir im Wahlkampf auch immer wieder klar sagen. Wer wirklich neuen Schwung will, muss Rot-Grün wählen. Die Konservativen haben fertig!
Welches Ergebnis trauen Sie Ihrer Partei zu?